Im dritten Teil seines Berichts aus der Krieggefangenschaft beschreibt Eugen Antoni seine Zeit im Lager Foucarville in der Normandie. Foucarville liegt ganz in der Nähe von "Utah-Beach", dem Küstenabschnitt, von wo die Invasion der Allierten am "D-Day" ihren Ausgang nahm. In dem Lager, auch "Continental Central Enclosure n°19" genannt, hielten sich zeitweise 40 000 Gefangene auf, die in sogenannten "cages", untergebracht waren, inklusive 216 Generälen und 6 Admirälen. Es war wie eine kleine Stadt und verfügte sogar über eine Schmalspureisenbahn für die Verteilung der Verpflegung und über Elektrizität lange bevor die umliegenden Dörfer an die Stromversorgung angeschlossen wurden; es hatte außerdem ein Theater und ein Hospital mit 1000 Betten sowie zu einem Zeitpunkt, der nach dem vorliegenden Bericht liegen muss, auch mehrere Kapellen. Die Gefangenen wurden außer für lagerinterne Aufgaben für die Minenräumung und für Wiederaufbauarbeiten der zerstörten Normandie eingesetzt. Die letzten wurden 1948 entlassen![]() |
| Lagerplan** |
![]() |
| Die Lagerbäckerei, die täglich 20 000 Brote buk** |
Später kamen dazu einige Gesangbücher des Bistums Basel und
kleine, deutsche Sonntagsmessbüchlein
aus amerikanischem Ordensverlag. Klafft hier nicht eine bedauerliche Lücke in
der katholischen Gefangenenhilfe? Wie mancher, der sich in den letzten Jahren
vom Glauben abwandte, ist durch die seelischen Erschütterungen des
Zusammenbruchs wieder aufnahmebereit geworden für religiöse Gedanken. Klug
ausgewählte Bücher würden in den Kriegsgefangenenlagern manchen Suchenden zum Glauben seiner Kindheit
zurückführen. Niemehr werden Männer aller Altersstufen so viel Zeit zum Lesen
haben und so aufnahmebereit auch für ernste Lektüre sein wie in den Monaten, ja
vielleicht noch Jahren hinterm Stacheldraht.
Die amerikanische Lagerleitung, in der je ein protest. und
ein kath. Feldkaplan einen grossen Einfluss besassen, sorgte sich schliesslich
wenigstens um die geistige Betreuung der
17 000 deutschen Jugendlichen unter achzehn Jahren, die in eigenen „Baby Cages“
untergebracht waren. Für sie wurde eine Art Berufsfortbildungsschule unter dem
stolzen Titel „P.W. University“ eingerichtet*. Gleich von Anfang an waren wir
Pfälzer in deren „Lehrkörper“ sehr gut
vertreten, und bald wurde das Pfälzer Zelt im landschaftlich schönen Lehrercage
an den Abenden und Sonntagnachmittagen ein Treffpunkt vieler Landsleute. Wie liebevoll wurde hier gegenseitge Hilfe
ausgetauscht! Wie grossartig jeder Geburtstag gefeiert! Achtundsiebzig
Gratulanten stellten sich an diesem Tage bei mir ein und verscheuchten durch
ihr ständiges Kommen und Gehen vom frühen Morgen bis zum späten Abend das
zehrende Heimweh, das an allen Familienfesttagen in der Gefangenschaft sonst
ganz besonders bitter brennt. Jeder Besucher brachte neben guten Wünschen und
einem hoffnungsvollen Zuspruch trotz seiner eigenen Armut ein meist mühsam
beschafftes Geschenk mit. Neben manchem wertvollen Kunstwerk, das emsiger
Fleiss geschickter Bastler geschaffen, erfreute auch der einfache
Feldblumenstrauss oder die durch Wochen gesammelten Zigarettenstummel als Futter
für die ewig hungrige Pfeife.
![]() |
| Die Kirche von Foucarville |
![]() |
| Kirche der Wallfahrtsstätte Maria Rosenberg bei Waldfischbach-Burgalben. Aufnahme aus den 1940er Jahren |
*Solche "Lager-Unis" hat es mehrere gegeben. Sie waren natürlich vor allem der Umerziehung gewidmet, jedoch konnten dort auch berufliche und akademische Abschlüsse erworben werden. In Foucarville wurden Englisch, Französisch, Mathematik, Landwirtschaft, handwerkliche Fertigkeiten und Theologie unterrichtet. Ein eindrucksvolles Zeugnis des Theologiestudiums in Kriegsgefangenenlagern auf französischem Boden gibt das Buch von Walter Ohler: "Der Herr hat uns hierhergebracht..." Gefangenschaft und Theologiestudium in den französischen Lagern Chartres und Montpellier 1945-1947. (1999 herausgegeben von Christophe Baginski und Christine Lauer im Knecht Verlag, Landau).
Mehr zum Theologiestudium in Kriegsgefangenenlagern hier und hier.
** Mehr Bilder und Informationen über das Lager Foucarville sind hier zu finden.





















