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Sonntag, 9. November 2014

Das Pfadfindergebet ....


Westminster Psalter, Ritter


... es könnte auch das eines betenden Kreuzknappen sein! Danke für viele Links, Hinweise, Bilder, Videos, für Lustiges, Kritisches und Erbauliches an  unseren Kreuzknappen. Ihr Blog wird fehlen!

Das Pfadfindergebet

Herr Jesus Christus, Du hast gesagt: Seid bereit!
Dieses Wort ist mein Wahlspruch.
Allzeit bereit will ich sein und nach Deinem Beispiel handeln.
Wahr im Reden, verlässlich im Tun,
zu Deiner Kirche will ich halten und allen Menschen Bruder oder Schwester sein.
Bereit zu Verzeihen, selbstlos im Helfen, 
geduldig, wenn es schwierig wird.
Zeige mir meinen Weg und begleite mich auf dem Pfad, 
der zum Leben führt.
Dir will ich folgen und mein Bestes tun!
Hilf mir dazu und segne mich.

Amen



Quelle:




Montag, 19. Mai 2014

"Der Lehrer, der ein Sänger war: Eberhard Maria Zumbroich"

Am Freitag, dem 16.05.2014, verstarb Eberhard Maria Zumbroich, Lehrer, Komponist und Gründer des TABOR - Tonarchivs. Vor einigen Monaten erstand ich die CD des von ihm übersetzten und vertonten "Hymnos Akathistos / Das Geheimnis der Gottesmutter". Herr Olaf Lezinsky vom katholischen Morus - Verlag in Berlin hat heute in einer Mail auf den Nachruf in der Südwestpresse aufmerksam gemacht.



Eine kostenlose Hörprobe des Hymnos findet sich hier:

Im Marienmonat Mai darf er nun hoffentlich sehen, woran er geglaubt hat. Ruhe in Frieden, Eberhard Maria Zumbroich - und Danke!


Sonntag, 4. Mai 2014

Stabat Mater

Es ist Mai. Alles grünt, mehr denn je, früher denn je! Es ist die Zeit der Mai-Tänze, der Mai-Bäume, die Zeit der Aussaat, der Sommerblumen-Pflanzung, der Gärten, des "wie einst im Mai", der Mai-Lieder - ja, für einige auch noch der Mai-Altäre und der Mai-Andachten. Katholiken gedenken in diesem Monat der Muttergottes, Maria, der Maienkönigin! Da gibt es ein Lied:

 Maria, Maienkönigin,
 Dich will der Mai begrüßen
oh segne ihn mit holdem Sinn,
 und uns zu Deinen Füßen!
Maria, Dir empfehlen wir,
was grünt und blüht auf Erden,
lass uns in dieser Pracht und Zier
das Werk des Schöpfers ehren.

Es gibt auch immer noch den Brauch, das Bild der Gottesmutter besonders schön zu schmücken. Letztes Jahr hat Blogger Pro Spe Salutis "Los Wochos" zum Thema "Maialtäre" ausgerufen, da konnte man wunderschöne Gestaltungen finden. Viele aus der Blogoezese schlossen sich an. Bei "Sacerdos viennensis" zum Beispiel fand ich diesen Mai-Altar aus Prein an der Rax:


Auf dem Altar-Tuch steht: "O Maria Hilf." Und ein Detail des Fotos zeigt etwas klarer, wie Maria in dieser Darstellung auf ihr Herz hin weist:


Wie traurig ihr Gesicht ist!
Warum schreibe ich das alles? Ein aufmerksamer Mensch hat uns in einem Kommentar aufmerksam gemacht, dass in der Gegend von Dahn, am Wanderweg nach Erfweiler, wieder einmal ein Wege-Kreuz zerstört wurde. Das hat er uns geschrieben:

Der Vandalismus in der Dahner Umgebung nimmt leider kein Ende. Erst Busenberg, dann Dahn, jetzt Erfweiler.
Am gestrigen Nachmittag (1.5.2014) wurde zwischen 14:00 und 18:00 Uhr am häufig begangenen Wanderweg von Erfweiler zur Dicken Eiche das frisch renovierte Wegkreuz mutwillig beschädigt. Dabei wurde der Korpus herab gerissen und zerbrach. Das Kreuz selbst blieb glücklicherweise heil. 

Die Kreuzinschrift ist irgendwie passend:

"Oh ihr alle
die ihr vorüber gehet
gebet acht und schauet
ob ein Schmerz gleich sei
meinem Schmerze"

Der Kommentator, zunächst anonym, sandte mir netterweise an meine Mail- Adresse Fotos, die er vom Wegkreuz im März gemacht hatte, und von der Zerstörung am Abend des ersten Mai. Vielen Dank dafür, Herr Stephan Schwartz!

Wegkreuz Erfweiler im März


"Oh ihr alle, die ihr vorüber gehet ..."


"... gebet acht und schauet, ob ein Schmerz gleich ist meinem Schmerze"

Zerstört, die Blumenschale umgekippt - warum?


"Wär ich nur hier nicht gegangen im Mai", möchte man da mit Theodor Storm sagen... oder vielmehr: "Wären jene nur hier nicht gegangen im Mai" - die Leute, die den Glauben ihrer Mitmenschen nicht ertragen können!









Montag, 21. April 2014

Das Rotkehlchen - ein Foto von Gabriele und eine Legende von Selma Lagerlöf


Rotkehlchen auf dem Bergfriedhof in Heidelberg
Dieses wunderschöne Vögelchen hat Gabriele in Heidelberg fotografiert und mir das Bild neulich geschickt. Ich habe heute an die Legende über das Rotkehlchen gedacht, die Selma Lagerlöf geschrieben hat. Da diese Geschichte so gut zu Ostern passt, stelle ich sie zum zweiten Feiertag hier ein.

Das Rotkehlchen

Es war zur Zeit, als Gott der Herr die Welt erschuf, und nicht nur Himmel und Erde, sondern auch alle Tiere und Pflanzen, denen er zugleich ihre Namen gab.
Aus jener Zeit ließen sich viele Geschichten erzählen, und wenn man sie alle kennen würde, so hätte man auch eine Erklärung für alles in der Welt, was man jetzt nicht begreifen kann.
Damals geschah es eines Tages, als der Herrgott im Paradiese saß und die Vögel anmalte, daß die Farben in seinen Farbentöpfen ein Ende nahmen, so daß der Stieglitz farblos geblieben wäre, wenn der liebe Gott nicht alle seine Pinsel an seinen Federn abgewischt hätte.
Und damals geschah es auch, daß der Esel seine langen Ohren bekam, weil er sich seinen Namen nicht merken konnte. Er vergaß ihn, sobald er einige Schritte auf den paradiesischen Fluren gemacht hatte, und dreimal kam er zurück und fragte nach seinem Namen, so daß der liebe Gott schließlich etwas ungeduldig wurde, ihn an beiden Ohren faßte und zu ihm sprach: »Dein Name ist: Esel, Esel, Esel.«
Und während er also redete, zog er des Esels Ohren lang und länger, auf daß er ein besseres Gehör bekäme und sich dessen erinnerte, was man ihm sagte.
An demselben Tage fand auch die Bestrafung der Bienen statt. Denn als die Biene erschaffen war, begann sie sogleich Honig zu sammeln. Und Mensch und Tier, die den lieblichen Duft einatmeten, kamen herbei, um ihn zu kosten. Aber die Biene wollte alles für sich selber behalten und verjagte durch ihre giftigen Stiche alle, die sich der Honigwabe näherten. Das sah der liebe Gott, und flugs rief er die Biene herbei, um ihr eine Strafe aufzuerlegen: »Ich verlieh Dir die Gabe Honig zu sammeln, der das allersüßeste in der Schöpfung ist, aber damit gab ich Dir nicht das Recht, gegen Deine Nächsten hart zu sein. Nun denke daran daß jede Biene, die jemanden sticht, der ihren Honig kosten will, den Stich mit dem Tode zu büßen hat!«
Ach ja, das war damals, als die Grille blind wurde und die Ameise ihre Flüglein einbüßte; es geschah so viel Seltsames an jenem Tage.
Gott der Herr saß den ganzen Tag über erhaben und mild auf seinem Thron und erschuf und hauchte Odem ein, und gegen Abend verfiel er darauf, noch einen kleinen grauen Vogel zu erschaffen.
»Denke daran, daß Du Rotkehlchen heißen sollst!« sagte der liebe Gott zu dem Vogel, als er fertig geworden war. Und er setzte ihn auf seine Handfläche und ließ ihn fliegen.
Und als das Vöglein eine Weile umhergeflogen war und die schöne Erde betrachtet hatte, auf der es nun leben sollte, spürte es auch Lust, sich selber zu beschauen. Da merkte es, daß es ganz grau war, und daß seine Brust ebenso grau wie alles andere aussah. Das Rotkehlchen drehte und wendete sich hin und her und spiegelte sich im Wasser, aber es vermochte kein einziges rotes Federchen an sich zu entdecken.
Da flog das Vöglein zum lieben Herrgott zurück.
Unser lieber Herrgott saß gütig und mild auf seinem Thron, aus seinen Händen lösten sich Schmetterlinge, die sein Haupt umflatterten, Tauben gurrten auf seinen Schultern und rings um ihn her entsproßten der Erde Rosen, Lilien und Tausendschönchen.
Das Herz des Vögleins pochte vor Angst heftig in seiner kleinen Brust, aber in leichten Bogen flog es näher und näher auf den lieben Herrgott zu und setzte sich schließlich auf seine Hand.
Da fragte der himmlische Vater, was es von ihm wünsche, und das Vöglein antwortete:
»Ich möchte Dich nur noch etwas fragen.«
»Was willst Du also wissen?«
»Warum soll ich denn Rotkehlchen heißen, wenn ich doch vom Schnabel bis zur Schwanzspitze ganz grau bin? Warum werde ich Rotkehlchen genannt, wenn ich doch kein einziges rotes Federchen besitze?«
Und das Vöglein blickte mit seinen großen, schwarzen Augen flehend zu Gott dem Herrn empor und wandte das Köpfchen hin und her. Rundum erblickte es Fasanen, deren rotes Gefieder leicht mit Goldstaub gesprenkelt war, Papageien mit buschigen, roten Halskragen, Hähne mit roten Kämmen, und nun erst die Schmetterlinge, Goldfische und Rosen. Natürlich dachte das Vöglein bei diesem Anblick, wie wenig dazu gehörte – und wenn es nur ein einziger, kleiner Tropfen Farbe auf seiner Brust wäre – um es zu einem schönen Vogel zu machen, so daß sein Name passen würde.
»Warum soll ich Rotkehlchen heißen, wenn ich doch ganz grau bin?« wiederholte das Vöglein und erwartete, daß der liebe Gott sagen würde: »Ach, mein kleiner Freund, ich merke, daß ich vergessen habe, die Federn auf Deiner Brust rot anzumalen, aber warte nur einen Augenblick, dann wird die Sache bald erledigt sein.«
Doch der liebe Gott lächelte nur mild und sprach: »Ich habe Dich Rotkehlchen genannt, und Rotkehlchen sollst Du heißen, doch mußt Du selber zusehen, daß Du Dir Deine roten Brustfedern verdienen magst.« Und dann erhob Gott der Herr die Hand und ließ den Vogel aufs neue in die Welt hinausflattern.
Der Vogel flog in tiefem Sinnen durch das Paradies. Was sollte ein so kleiner Vogel, wie er, eigentlich tun, um sich rote Federn zu verdienen?
Das einzige, woran er noch zu denken vermochte, war die Wahl seiner Behausung in einem Dornenbusch. Zwischen den Stacheln des dichten Dornenrosengestrüpps baute er sein Nest. Er schien zu hoffen, daß ein Rosenblatt sich an seine kleine Kehle heften würde, um ihr seine Farbe zu verleihen.

Eine unendliche Zeit war seit jenem Tage verflossen, der der fröhlichste aller Erdentage gewesen ist. Seit jener Zeit hatten Tiere und Menschen das Paradies verlassen und sich über die Erde verbreitet. Und die Menschen hatten es so weit gebracht, daß sie das Land beackern konnten und das Meer zu befahren wußten, sie schafften sich Kleidung und Schmuckgeräte, ja, sie hatten schon vor langer Zeit gelernt, große Tempel und mächtige Städte, wie Theben, Rom und Jerusalem, zu erbauen.
Dann nahte ein neuer Tag, dessen man in der Geschichte der Welt noch lange gedenken sollte. Und am Morgen jenes Tages saß nun ein Rotkehlchen auf einem kleinen, nackten Hügel vor den Mauern Jerusalems und sang seinen Jungen vor, die inmitten eines niedrigen Dornenbusches in ihrem kleinen Nest ruhten.
Vogel Rotkehlchen erzählte seinen Kleinen von dem wunderbaren Schöpfungstage und von der Namengebung, wie es bisher jedes Rotkehlchen seinen Jungen erzählte, von dem allerersten her, das Gottes Ruf vernommen hatte und aus des Schöpfers Hand hervorgegangen war.
»Und nun seht,« schloß es traurig seinen Bericht, »so viele Jahre sind seit dem Schöpfungstage dahin, so viele Rosen sind verblüht, so viele junge Vögel sind aus dem Ei gekrochen, daß niemand sie zu zählen vermag, jedoch das Rotkehlchen ist noch immer ein kleiner, grauer Vogel. Noch ist es ihm nicht geglückt, der roten Brustfedern teilhaftig zu werden.«
Die kleinen jungen Vögelchen sperrten die Schnäbelchen weit auf und fragten, ob ihre Vorfahren sich denn gar nicht bemüht hätten, irgendeine Heldentat zu vollbringen, um die unschätzbare rote Farbe zu erringen.
»Wir alle taten, was wir konnten,« sang das Vöglein, »aber es ist keinem von uns geglückt. Schon das erste Rotkehlchen begegnete einmal einem anderen Vogel, der sein ganzes Ebenbild war, und sogleich begann es ihn mit solcher Heftigkeit zu lieben, daß es seine Brust erglühen fühlte. ›Ach,‹ dachte es da, ›jetzt begreife ich alles. Der liebe Gott meint, daß ich glühend lieben müsse, um meine Brustfedern durch die Liebesglut meines Herzens rot zu färben.‹ Aber es gelang ihm nicht, wie es keinem nach ihm gelungen ist, und auch Euch niemals gelingen wird.«
Die kleinen jungen Vögelchen zwitscherten betrübt, und sie trauerten schon darüber, daß die rote Farbe niemals ihre kleine, flaumige Brust schmücken sollte.
»Wir hatten auch auf unseren Gesang gehofft,« sang das alte Vöglein in langen, gehaltenen Tönen. »Schon das erste Rotkehlchen sang so schön, daß seine kleine Brust sich in Begeisterung weitete und es neu zu hoffen wagte. ›Ach,‹ dachte es, ›meine Brustfedern werden sich von der Sangesglut in meiner Seele rot färben.‹ Aber es gelang ihm nicht, wie es keinem nach ihm gelungen ist, und wie es auch Euch nicht gelingen wird.«
Abermals hörte man ein betrübtes Zwitschern aus den schwachbefiederten Kehlen der jungen Vögelchen.
»Wir hofften auch auf unseren Mut und auf unsere Tapferkeit. Schon das erste Rotkehlchen kämpfte mutig mit anderen Vögeln, und seine Brust glühte vor Kampfbegier. ›Ach,‹ dachte es, ›meine Brustfedern werden sich von der Kampflust in meinem Herzen rot färben.‹ Aber es gelang ihm nicht, wie es keinem nach ihm gelang und auch keinem von Euch gelingen wird.«
Die kleinen jungen Vögelchen zwitscherten voll Zuversicht, daß sie es dennoch versuchen wollten, die erstrebte Belohnung zu gewinnen, aber der Vogel antwortete ihnen betrübt, daß es ganz unmöglich wäre. Was konnten sie erhoffen, wenn es so vielen ausgezeichneten Vorfahren nicht gelungen war, das Ziel zu erreichen? Was konnten sie denn noch mehr tun als lieben, singen und kämpfen? Was vermochten – –
Der Vogel vollendete seinen Satz nicht, denn aus einem der Tore Jerusalems kam eine große Menschenmenge dahergezogen, und die Scharen stürmten zu dem Hügelgelände empor, auf dem sich das Vogelnest befand.
Es nahten Reiter auf stolzen Rossen, Kriegsknechte mit langen Speeren, Henkersknechte mit Nägeln und Hämmern, und es zogen feierlich schreitende Priester und Richter, schluchzende Weiber, und allen voran eine Masse wildumherjagendes, niederes Volk herbei, ein widerwärtiges, heulendes Gefolge von Landstreichergesindel.
Der kleine, graue Vogel saß bebend auf dem Rande seines Nestes. Er fürchtete jeden Augenblick, daß der kleine Dornbusch niedergetrampelt und seine Jungen getötet werden könnten. »Nehmt Euch in acht,« zwitscherte er den kleinen wehrlosen Geschöpfchen zu, »kriecht ganz dicht zusammen und gebt keinen Laut von Euch! Hier kommt ein Pferd, das dicht über uns hinschreitet! Dort naht ein Kriegsknecht mit eisenbeschlagenen Sandalen! Da stürmt die ganze wilde Horde heran!«
Plötzlich stellte der Vogel seine Warnungsrufe ein, er blieb still und stumm und vergaß beinahe die Gefahr, in der sie alle schwebten.
Dann hüpfte er rasch in sein Nest hinein und breitete die kleinen Schwingen über seine Jungen.
»Nein, das ist zu schrecklich,« zwitscherte er. »Ich will Euch vor diesem Anblick bewahren. Dort sollen drei Missetäter ans Kreuz geschlagen werden.«
Und er breitete seine kleinen Schwingen so weit aus, daß die Jungen nichts davon sehen konnten. Sie vernahmen nur dröhnende Hammerschläge, lautes Wehklagen und das tobende Geschrei der Volksmenge.
Das Rotkehlchen folgte dem ganzen furchtbaren Schauspiel mit Augen, die sich vor Entsetzen weiteten. Es konnte seine Blicke von den drei Unglücklichen nicht abwenden.
»Wie doch die Menschen grausam sind!« zwitscherte der Vogel nach einer Weile. »Es genügt ihnen nicht, diese armen Geschöpfe ans Kreuz zu nageln, und da haben sie dem einen auch noch eine stachlichte Dornenkrone aufs Haupt gepreßt. Ich sehe deutlich, daß die Dornen seine Stirn verwundet haben, so daß Blut herabsickert. Und dieser Mann ist so schön und schaut mit so sanften Blicken um sich, daß jedermann ihn lieben müßte. Bei dem Anblick seiner Leiden ist mir, als durchbohre ein spitzer Pfeil mein Herz.«
Das Mitleid des kleinen Vogels mit dem Dornengekrönten vertiefte sich mehr und mehr.
»Wenn ich mein Bruder, der Adler, wäre, würde ich die Nägel, die seine Hände durchbohren, herausziehen und mit den starken Klauen alle seine Peiniger verjagen.«
Das Rotkehlchen sah, wie das Blut auf des Gekreuzigten Stirn herabsickerte, und vermochte nicht, noch länger stille in seinem Nest zu sitzen.
»Bin ich auch nur klein und schwach, so müßte ich dennoch irgend etwas für diesen armen Gepeinigten tun können,« zwitscherte es vor sich hin. Und es verließ sein Nest und flog in die Luft hinaus. In weiten Bogen umkreiste es mehrmals den Gekreuzigten, ohne daß es wagte, sich ihm zu nähern. Denn es war ein scheuer kleiner Vogel, der niemals gewagt hatte, in die Nähe eines Menschen zu kommen. Aber allmählich faßte es Mut, flog auf die Kreuze zu und zog mit seinem kleinen Schnabel einen spitzen Stachel aus der Stirn des Gekreuzigten.
Doch während es dies tat, fiel ein Tropfen vom Blute des Gekreuzigten auf die Brust des Vögleins herab. Dieser verbreitete sich schnell und färbte alle die kleinen, zarten Federn der Kehle ganz rot.
Und der Gekreuzigte öffnete seine Lippen und flüsterte dem Vogel zu: »Um Deiner Barmherzigkeit willen hast Du nun errungen, was Dein Geschlecht seit Erschaffung der Welt erstrebt hat.«
Als der Vogel wieder in sein Nest kam, zwitscherten seine Kleinen ihm zu: »Deine Brust ist ja rot, Deine Kehlfederchen sind röter als Rosen!«
»Das ist nur ein Blutstropfen von der Stirn des armen Mannes. Der wird verschwinden, sobald ich in einem Bächlein oder in einer klaren Quelle bade,« zwitscherte der Vogel zur Antwort.
Aber wie oft auch das Rotkehlchen badete, die rote Farbe verschwand nicht mehr von seiner Brust, und als seine Kleinen herangewachsen waren, leuchtete die blutrote Farbe auch auf ihren Brustfedern, wie sie noch bis auf den heutigen Tag auf jedes Rotkehlchens Brustfedern leuchtet.
(Gefunden: hier)

Sonntag, 20. April 2014

Ein Ostergruß

Unsere jüngste Schwester Hedwig hat uns einen Ostergruß gesandt, der mir sehr gut gefällt. Beim Speichern der Datei hatte diese den Namen "Demensch" - ein Hinweis auf den Menschen, wie auch auf das Vergessen im Alter. Mit diesem Bild wünschen wir auch allen Lesern dieses Blogs ein frohes gesegnetes Osterfest!




Da jetzt schon Ostersonntag-Abend ist, passt hier ein Gedicht von Rilke, finde ich

Bei Tag bist Du das Hörensagen

Bei Tag bist du das Hörensagen,
das flüsternd um die Vielen fließt;
die Stille nach dem Stundenschlagen,
welche sich langsam wieder schließt.

Jemehr der Tag mit immer schwächern
Gebärden sich nach Abend neigt,
jemehr bist du, mein Gott. Es steigt
dein Reich wie Rauch aus allen Dächern.

(Rainer Maria Rilke, 1904)

Samstag, 19. April 2014

Noch ist nicht Morgen, aber er leuchtet schon


Das Kräfteverhältnis zwischen Licht und Finsternis ist nicht ausgewogen. Das Licht wird ausgesandt und durchdringt die tiefste Finsternis, aber die Finsternis erreicht nicht die reinsten Gefilden des Lichtes. Also umfasst das Licht die Finsternis, überwältigt sie durch seine Unendlichkeit.




Diese verbrannte Pieta, so gefunden, erhalten und bearbeitet vom Aachener Theologen und Künstler Stefan W. Knor, war im vergangenen November in der Wallfahrtskirche Maria Rosenberg in Waldfischbach zu sehen.

Gabriele hat im vorangegangenen Post schon gezeigt, wie Jesus in das Reich des Todes hinabgestiegen ist. Für seine Mutter, für seine Jünger und alle die ihn liebten, ist noch tiefste Nacht.
Doch "Getragen im Leid" - so hieß das Pieta - Projekt - zeigt auch schon das Licht des Ostermorgens - Lumen Christi!

Mittwoch, 19. März 2014

Josef lauscht .....

In der FAZ.net fand ich dieses faszinierende Bild unter dem Titel
"Marias Mann, das unbekannte Wesen."
Zum heutigen Josefstag stelle ich es ein, ohne weitere Worte. Ich finde, es bietet genug Anregung über Josef von Nazareth nachzudenken.  Wer mag, kann ja auch den Artikel dazu lesen. Und die dort zitierte Litanei beten.



Du gerechter Josef / Du keuscher Josef / Du weiser Josef / Du starkmütiger Josef / Du gehorsamer Josef / Du getreuer Josef / Du Spiegel der Geduld / Du Freund der Armut / Du Vorbild der Arbeiter / Du Zierde des häuslichen Lebens / Du Beschützer der Jungfrauen / Du Stütze der Familien / Du Trost der Bedrängten.

Dienstag, 4. Februar 2014

Zum Gedenktag des Heiligen Bischofs Hrabanus Maurus, Erzbischof von Mainz, Lehrer Germaniens

Dieses Lied wird dem Hrabanus Maurus, Erzbischof von Mainz zugeschrieben. Zumindest hat er wesentlich dazu beigetragen, es bis in unsere Zeit zu erhalten.




Und übrigens hat er so seine Probleme gehabt, wie der eine oder andere heutige Bischof. Zum Beispiel habe ich gelesen, dass er Kirchen und Kapellen bauen ließ, er hat wohl massenhaft Geld ausgegeben! UND: Er versuchte, vom Papst durch ein gefälschtes "Zacharias - Privileg" eine Ausweitung der Rechte seines Klosters zu erhalten! Damals war er Abt des Klosters Fulda - das wurde er im Jahr 822. Er scheiterte übrigens mit diesem Versuch. Aus politischen Gründen - aber wohl nicht wegen dem Fälschungsversuch - musste Hrabanus eine Auszeit nehmen, ganze fünf Jahre, von 842 bis 847. Er lebte auf dem Petersberg, einem Tochterkloster des Klosters zu Fulda als Dichter und Schriftsteller. In dieser Zeit mag er so manches mal "Komm, Schöpfer Geist" gebetet haben.
Und siehe da: Im Jahr 847 wurde er der fünfte Nachfolger des Bonifatius auf dem Erzbischofsstuhl zu Mainz.
( Mal so nachgedacht: Wo sollte nochmal das Bistum Limburg
dazu gehören, wenn es wirklich aufgelöst würde, wie kürzlich in irgendeinem "Verdummerblatt" zu lesen war?)
Heiliger Hrabanus Maurus, bitte für uns und besonders für alle, die viel schreiben und dichten, wie Du es ja auch getan hast. Bitte um den Heiligen Geist, dass er einkehren möge in uns alle, in unsere Zeit.

„Wer den Gipfel der Weisheit erreichen will, muss zum Gipfel der Liebe gelangen. Denn niemand ist vollkommen im Wissen, der nicht vollkommen ist in der Liebe.“ (Rabanus Maurus)
(Quelle) 


Dienstag, 7. Januar 2014

So schändlich zugericht'... ich kann es nicht verstehen ...

Wegekreuz in Viernheim längs der Rudolf  Harbig Halle
... von Vandalen an den Weihnachtsfeiertagen zerstört. Ich sehe es nicht mehr, aber dennoch muss ich an das traurige und bekannte Lied denken:

O Haupt voll Blut und Wunden,
Voll Schmerz und voller Hohn,
O Haupt, zum Spott gebunden
Mit einer Dornenkron’,
O Haupt, sonst schön gezieret
Mit höchster Ehr’ und Zier,
Jetzt aber hoch schimpfieret:
Gegrüßet sei’st du mir!

Blogger Josef Bordat berichtete hierüber und über weitere Verwüstungen.

Nun, was du, Herr, erduldet,
Ist alles meine Last;
Ich hab’ es selbst verschuldet,
Was du getragen hast.
Schau her, hier steh’ ich Armer,
Der Zorn verdienet hat;
Gib mir, o mein Erbarmer,
Den Anblick deiner Gnad’!

Wenn nur die gnadenlosen Zerstörer eines Tages so beten können - das hoffe ich! Für sie und für uns alle.

Nachtrag: Noch mehr über solche Vorkommnisse hat JoBo von seinen Lesern erfahren. Auch in der Sylvesternacht waren Vandalen am Werk, die den Glauben und die religiösen Überzeugungen von Menschen verhöhnen.

Mit einer Birke wurde diese Christusfigur in Wittichenau in der Sylvesternacht zerschlagen.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Gesegnetes Weihnachtsfest - ihr Kinderlein, kommet!


 
Weihnachten ist ja eine Zeit, wo man alte Sachen hervorkramt und sich erinnert – je älter, je mehr. Diese Gebäckschale aus Holz habe ich vor langer Zeit bemalt für unsere Eltern. Ich kann mich erinnern, als Kind fand ich sie nicht gut genug. Ich hatte mir das viel viel schöner vorgestellt. Es war so schwer, mit Pinsel und Wasserfarben zu malen! Ich hatte doch alles so genau vor mir gesehen – den goldenen Stern, der hätte klare Konturen haben sollen, die Muttergottes ein liebliches Gesicht, der Esel sollte nicht so winzig sein. Jahr für Jahr wunderte ich mich, warum Mama und Papa dieses in meinen Augen “verpfuschte Teil” als Schale für die Plätzchen nahmen.
Als Papa gestorben war, packte meine Schwester Gabriele “das Teil” in einen Karton und sagte: "Das solltest du mitnehmen, das hast du doch mal gemacht." Heute endlich erkenne ich, dass es so schön war, wie ich es eben machen konnte, und damit für die Eltern einmalig schön. Schöner als etwas Gekauftes, schöner als Abziehbildchen, schöner als etwas Durchgepaustes. Was gibt es Besseres als ein Geschenk eines Kindes! So habe ich bis heute einen pausbäckigen, leicht verknitterten Engel aus Styropor und Goldpapier, den meine Tochter mal gebastelt hat. Auch dieses Jahr hat er einen Platz neben der Krippe. Sein Lächeln ist so herzerfrischend, wie nur Kinder es malen können!



Ich stelle mir vor, so freut sich der liebe Gott an uns, wenn wir das Beste machen, was wir können.


Dass es uns immer wieder mal gelingt, das wünsche ich mir und uns allen. 


Frohe und gesegnete Weihnachten!

Freitag, 6. Dezember 2013

Heiliger Nikolaus, Schutzpatron der Kinder, Seeleute, der Reisenden, Pilger und Gefangenen, bitte für uns


Ikone des Hl. Nikolaus, unbekannter Künstler aus Zentralrußland - von hier

Gütiger Heiliger Nikolaus, bitte für alle, die heute Nacht und in kommenden Tagen und Nächten in Stürmen und Nöten unterwegs sind. Bitte auch für Nelson Mandela, der sich auf den Weg in die ewige Heimat gemacht hat. Auch er war ein Pilger, ein Reisender, ein Gefangener und ein geliebtes Kind - und Vater - seines Landes.



Ausfahrt

Vom Lande steigt Rauch auf.
Die kleine Fischerhütte behalt im Aug,
denn die Sonne wird sinken,
ehe du zehn Meilen zurückgelegt hast.

Das dunkle Wasser, tausendäugig,
schlägt die Wimper von weisser Gischt auf,
um dich anzusehen, gross und lang,
dreissig Tage lang.

Auch wenn das Schiff hart stampft,
und einen unsicheren Schritt tut,
steh ruhig auf Deck.

An den Tischen essen sie jetzt
den geräucherten Fisch;
dann werden die Männer hinknien
und die Netze flicken
aber nachts wird geschlafen,
eine Stunde oder zwei Stunden,
und ihre Hände werden weich sein,
frei von Salz und Öl,
weich wie das Brot des Traumes,
von dem sie brechen.

Die erste Welle der Nacht schlägt ans Ufer,
die zweite erreicht schon dich.
Aber wenn du scharf hinüberschaust,
kannst du den Baum noch sehen,
der trotzig den Arm hebt
- einen hat ihm der Wind schon abgeschlagen
- und du denkst: wie lange noch,
wie lange noch
wird das krumme Holz den Wettern standhalten?
Vom Land ist nichts mehr zu sehen.
Du hättest dich mit einer Hand in die Sandbank krallen
oder mit einer Locke an die Klippen heften sollen.

In die Muscheln blasend, gleiten die Ungeheuer des Meers
auf die Rücken der Wellen, sie reiten und schlagen
mit blanken Säbeln die Tage in Stücke, eine rote Spur
bleibt im Wasser, dort legt dich der Schlaf hin,
auf den Rest deiner Stunden,
und dir schwinden die Sinne.

Da ist etwas mit den Tauen geschehen,
man ruft dich, und du bist froh,
dass man dich braucht. Das Beste
ist die Arbeit auf den Schiffen,
die weithin fahren,
das Tauknüpfen, das Wasserschöpfen,
das Wändedichten und das Hüten der Fracht.
Das Beste ist, müde zu sein und am Abend
hinzufallen. Das Beste ist, am Morgen,
mit dem ersten Licht, hell zu werden,
gegen den unverrückbaren Himmel zu stehen,
der ungangbaren Wasser nicht zu achten,
und das Schiff über die Wellen zu heben,
auf das immerwiederkehrende Sonnenufer zu.


(Ingeborg Bachmann)


Sonntag, 1. Dezember 2013

Erwartungsfrohen ersten Advent euch allen!




Komet ISON , 24.11.2013




Ich gehe oder liege, so bist du um mich
und siehst all meine Wege.
Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge,
das du, Herr, nicht schon wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich
und hältst deine Hand über mir.
Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch
ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist,
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?
Führe ich gen Himmel, so bist du da;
bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.

(aus Psalm 139)




Foto von hier

Dienstag, 19. November 2013

Blogparade - ein Lieblingslied aus dem "alten" Gotteslob..

Andrea hat in ihrem Blog eine "Blogparade" eröffnet, zum Thema: "Mein Lieblingslied im alten Gotteslob / Gesangbuch." An Allerseelen hat Severus dafür gesorgt, dass mir ein Lieblingslied aus Kinderzeiten neu bewusst geworden ist:

 "Wir sind nur Gast auf Erden" (GL Nr. 656)

Wir sind nur Gast auf Erden, und wandern ohne Ruh,
 mit mancherlei Beschwerden, der ewigen Heimat zu.

Die Wege sind verlassen, und oft sind wir allein.
In diesen grauen Gassen will niemand bei uns sein.

Nur einer gibt Geleite, das ist der Herre Christ;   
 er wandert treu zur Seite, wenn alles uns vergißt.

Gar manche Wege führen aus dieser Welt hinaus.
 O daß wir nicht verlieren den Weg zum Vaterhaus.

Und sind wir einmal müde, dann stell ein Licht uns aus. 
 O Gott, in deiner Güte; dann finden wir nach Haus.



In meiner Kinderzeit war dieses Lied eine Art Einläuten für die Weihnachtszeit, denn ab Allerheiligen begannen die Kerzen zu leuchten. Tannen wurden zu Gestecken verarbeitet und auf den Friedhof gebracht. Da war es geheimnisvoll und ehrfurchtgebietend. In meiner Erinnerung war der "Herre Christ" einfach das Christkind. Da hatten wir so ein altes Kinderbuch, wo das Christkind zu sehen war, wie es hinter zwei Kindern herging und sie beschützte. Der altertümliche Ausdruck "Geleite geben" war mir so wirklich verständlich. Ich habe einfach daran geglaubt! Natürlich hatte ich keine Vorstellung von "mancherlei Beschwerden". Aber ich konnte ja Eltern und Oma fragen. Was genau die mir geantwortet haben, weiß ich nicht mehr. Vielleicht, dass einem kalt ist und die Füße weh tun, wenn man lange Wege durch graue Gassen geht. Das musste ich aber nicht erleben. Ich hatte Familie. Auf dem Friedhof, den ich heute noch gerne besuche, gab es zahme Eichhörnchen, Meisen, die einem auf die Hand flogen, Lichter und Blumen. Und hinter mir ging unsichtbar das Christkind! 
Im Fernsehen gibt es zur Zeit eine Themenwoche "Glück". Wenn ich so darüber nachdenke, spüre ich mehr und mehr: DAS war Glück! Familie. Leben und Tod - eine Einheit. Das Christkind und Engel. Keine Angst haben. Der Heiland ist ja da. Lieder. Melodien. Feiertage.
 Wunder!

Und dazu jetzt noch'n Gedicht:

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hin halten 
(Hilde Domin)


(Bild von hier)

Sonntag, 13. Oktober 2013

Petrus, der erste Bischof

Lügen sei bei Bischöfen gewissermaßen Tradition, sagte heute Abend sinngemäß eine Journalistin während einer Talkshow in der ARD. Bereits der erste in der Reihe der Bischöfe, nämlich Petrus, habe ja Jesus Christus dreimal verleugnet.

Nachdem ich eine Zeit lang darüber nachgedacht habe, finde ich, dass der Vergleich nicht allzu sehr hinkt. Lügen und Verleugnungen können in einer Atmosphäre des Hasses, der Hetze, des "Nach - Tretens" und der Verfolgung natürlich besonders leicht entstehen. Man muss sich mal vorstellen, was für eine Angst Petrus gehabt haben muss. Er hatte den Hass und die Gemeinheit gespürt, die sich gegen Jesus richtete, und gegen alle, die ihm folgten.
 Jesus hat ihm trotzdem vergeben und ihn nicht der Verzweiflung überlassen.
( Ich kann Petrus verstehen. Ich hätte ganz gewiss keine Folter ertragen.)
Das Gemälde von Michelangelo zeigt, wie es ihm später erging. Es spiegelt die Grausamkeit, die er ansehen und selber spüren musste und die ihn eine Weile den Mut verlieren ließ. Ja, einige sind "beschäftigt", andere sehen in eine andere Richtung, manche unterhalten sich angeregt, viele wirken interessiert. Die Wenigsten scheinen entsetzt zu sein.

War das eine Zeit!






Dienstag, 1. Oktober 2013

Engel II

Bei meinem Stöbern über Engel und meiner Suche nach ihnen stieß ich auf die Engel - Bilder von Paul Klee. Sehr angerührt haben mich auch hier die Bilder von Kindern, die das Thema im Kunstunterricht behandelt haben. Interessante Texte und Interpretationen dieser Bilder sind von den Kindern dazu geschrieben worden - kann man alles hier nachlesen.
Um diesen Engel geht es:

Vergesslicher Engel, 1939
Auch das ist einer der Engel mit "müden Mündern", von denen Rilke in seinem Gedicht schreibt (siehe voriger Blogpost). Und doch - wenn man die Texte auf der Website des Kunstunterrichtes mit der Unterstufe vom Polgargym in Wien liest, ist man überrascht und froh, wie viel die Kinder in diesem Bild entdecken.
Eine der Kinderzeichnungen ist diese:



Von den Bildinterpretationen, die - nicht eindeutig zugeordnet neben den Zeichnungen stehen - scheint mir die folgende am Besten zu passen:

"Von diesem Engel ist gerade die Großmutter gestorben, bei der er sein ganzen Leben bis jetzt verbracht hat, denn seine Eltern haben ihn, als er 2 Monate alt war im Stich gelassen. Deswegen war er umso trauriger, dass sie gestorben ist. In diesem Engel gehen Gefühle herum, die man nicht so gerne erleben möchte. In diesem Moment betet er zu unserem Vater, Gott. Er hat seine Arme verschränkt, damit er sich zusammenreißen kann. Sein Lächeln ist nicht, weil er froh ist, dass sie tot ist, sondern weil er weiß, dass sie für ihn immer in seinem herzen weiterleben wird. Seine Flügel sind aufrecht, weil er weiß, sie denkt nur an ihn und sie war und ist immer stolz auf ihn, solange er keine Sünden macht, niemandem etwas antut, nicht tötet und immer betet. Sein Körper ist ebenfalls aufrecht, weil seine Oma ihm das so beigebracht hat. Trotzdem ist er traurig, aber er denkt positiv, seine Oma wird für ihn nie sterben. Julia"

Sehr tief hat mich diese Betrachtung gerade heute berührt. Vor 8 Jahren lag unsere sterbenskranke Mama - und gute liebevolle Oma meiner Tochter - im Krankenhaus. Sie war wegen starker Schmerzen im Rücken und in der Lendengegend eingeliefert worden, mehrere Osteoporose - Brüche hatte man festgestellt und sie musste tagelang streng liegen. Dann wurden eines Nachts ihre Schmerzen entsetzlich und es stellte sich heraus, dass sie einen Herzinfarkt hatte und dass ein vorangegangener Infarkt die eigentliche Ursache für ihre Beschwerden war. Ich erinnere mich - es war ein Samstag. Zunächst hatte der junge behandelnde Arzt gesagt, es müsse eine Katheder - Untersuchung gemacht werden, das könne aber an diesem Tag nicht stattfinden. Wir Töchter fürchteten aber jede Verzögerung, denn der nächste Tag war ja ein Sonntag und darauf folgte der Feiertag, der "Tag der Deutschen Einheit". Letztendlich konnten wir erreichen, dass die Untersuchung doch gemacht  und die Notwendigkeit einer Herzklappen - OP festgestellt wurde. Bei aller Angst vor der Operation stimmte unsere Mutter dieser dann zu, weil sie unseren Vater möglichst "nicht alleine lassen" wollte. Und ihre größte Sorge war: "Jetzt hat er keinen schönen Geburtstag!" (Dieser war am dritten Oktober!)

Als sie in dem furchtbaren Schmerz, den so ein Infarkt wohl hervorruft, halb bewusstlos war, hatte sie eine Art Traum, den sie uns erzählte. Sie sah einen Mann in einem Mantel, der schrie und Kommandos gab. Auf seinem Bauch hatte er einen Monitor. Sie wusste, wenn die Knöpfe an diesem Monitor gedrückt werden, "dann ist es vorbei".

Später erklärten wir uns das so: Der Mann im Mantel war der Arzt. Die Kommandos betrafen die Notfall - Maßnahmen, und der Monitor war angeschlossen an all die Kabel, die ihr EKG maßen. Aber als sie uns das erzählte, schien es uns wie eine schreckliche Vision. Und auch wie eine Erinnerung, an ihre Kindheit und an die Erlebnisse im Dritten Reich.

Auch dazu habe ich einen Engel von Paul Klee gefunden.

Angelus Novus, 1920

Ein Mann im Mantel, nicht mit einem müden, sondern einem schrecklichen Mund, mit starrendem Blick. Mit befehlshaberischer Haltung. Etwas Seltsames, Eckiges in der Brust. So sehe ich ihn - wie Mamas Alptraum, an den sie sich nach ihrer Operation glücklicherweise nicht mehr erinnert hat.

Zum Angelus Novus gibt es eine Beschreibung von Walter Benjamin, Dieser Philosoph und Literaturkritiker hat in einem Text "über den Begriff der Geschichte" Folgendes dazu geschrieben:

„Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.“

"Das, was wir den Fortschritt nennen, das ist dieser Sturm" ....

Da habe ich, haben wir noch viel Stoff zum Nachdenken. Danke, liebe Eltern! Ihr sorgt weiterhin dafür. Wie die kleine Julia schon sagt!

Sonntag, 29. September 2013

Engel

Heute habe ich, da auch der Namenstag von Gabriele ist, ganz viel über Engel gelesen und jede Menge Bilder angeschaut. 

Chagall - Fenster in St. Stephan  in Mainz


Sie haben alle müde Münde
und helle Seelen ohne Saum.
Und eine Sehnsucht  (wie nach Sünde)
geht ihnen manchmal durch den Traum.
  
Fast gleichen sie einander alle;
in Gottes Gärten schweigen sie,
wie viele,  viele Intervalle
in seiner Macht und Melodie.
  
Nur wenn sie ihre Flügel breiten,
sind sie die Wecker eines Winds: 
als ginge Gott mit seinen weiten
Bildhauerhänden durch die Seiten             
im dunklen Buch des Anbeginns.


Rainer Maria Rilke

Ja, stimmt eigentlich, das mit den "müden Münden". Bestimmt sollen sie aber nicht müde wirken, sondern entrückt - beseligt - frei von Angst, Furcht oder Wut - voll des himmlischen Friedens ...

Zwei habe ich aber gefunden, die so richtig strahlen und fröhlich lächeln:








Das sind auch Bilder aus St.Stephan in Mainz, aber da haben Kinder die Werke von Marc Chagall nachgezeichnet. Wunderschön, oder? Gar nicht müde, die Münder - eher gucken sie etwas verschmitzt. Die würde ich mir an meinem Bette wünschen, und am Bett aller kleinen und großen Leute!

Abendgebet

Abends wenn ich schlafen geh,
Vierzehn Engel bei mir stehn,
Zwei zu meiner Rechten,
Zwei zu meiner Linken,
Zwei zu meinen Häupten, 
Zwei zu meinen Füssen,
Zwei die mich decken,
Zwei die mich wecken,
Zwei die mich weisen,
In das himmlische Paradeisen. 


(Achim von Arnim)







Samstag, 14. September 2013

Kreuzerhöhung

Kreuz im Hof des ehemaligen
Karmeliterklosters Schongau

Das Wort vom Kreuz ist nämlich denen, die verloren gehen, eine Torheit; uns jedoch, die gerettet werden, Gottes Kraft. Es steht ja geschrieben: Vernichten will ich die Weisheit der Weisen und die Klugheit der Klugen beiseite schieben.

Wo ist ein Weiser, wo ein Schriftgelehrter, wo ein Wortgewaltiger in dieser Welt? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt? Denn da die Welt in der Weisheit Gottes durch ihre Weisheit Gott nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Predigt jene zu retten, die glauben.

Während nämlich die Juden Zeichen fordern, und die Griechen Weisheit suchen, predigen wir Christus, den Gekreuzigten; für die Juden ein Ärgernis, für die Heiden Torheit; für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.


Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.

Schaut doch nur auf euere Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise nach irdischer Auffassung, nicht viele Mächtige, nicht viele Hochgeborene. Nein, was die Welt für töricht hält, hat Gott erwählt, um die Weisen zu beschämen; was die Welt für schwach hält, hat Gott erwählt, um die Starken zu beschämen; 


und das Geringe in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, um das was etwas ist, zunichte zu machen damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. 
Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott zur Weisheit gemacht ist, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. So sollte das Schriftwort Geltung behalten: Wer sich rühmen will, rühme sich des Herrn.

1 Kor. 18-31





Das abgebildete Votivkreuz wurde von dem Bildhauer Sepp Erhart aus Unterammergau zum Dank für seine glückliche Heimkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft angefertigt und der Stadt Schongau 1994 übereignet.

Sonntag, 8. September 2013

Zu Maria Geburt


Madonna der Erzabtei St. Ottilien in St. Ottilien
(Foto von dortselbst)


Der Maria Geburt

(Procopii Mariale Festivale I, S. 228.)

Gleich wie die lieb Waldvögelein,
Mit ihren Stimmen groß und klein
Früh morgens lieblich singen,
Sobald anbricht die Morgenröth,
Wenns purpurfarb am Himmel steht,
In Berg und Thal sie klingen.

Also ihr Menschen kommt herbey,
Laßt hören eure Melodey,
Das Kindelein zu grüssen.
Heut fröhlich sein Geburtstag fällt,
Sankt Anna bringt es auf die Welt,
Es lasset euch geniessen.

Die Morgenröth so kühl und naß,
Die schönen Blumen, Laub und Gras
Sich alle freundlich neigen,
Weil dieses Kind mit Gütigkeit
Erquicket ihre Mattigkeit,
Sie ihren Dank so zeigen.

Also, weil wie der Morgenthau,
Heut aufgeht unsre liebe Frau
Zum Trost der armen Seelen,
In Demuth grüß sie jedermann,
Denn sie ists, die uns trösten kann
In aller Trauer Quälen.

Achim von Arnim
(Text entnommen aus der deutschen Gedichtebibliothek)