Donnerstag, 9. August 2012

Unsere Regionalhymne "O Pfälzer Land"

Zeichnung von Friedrich Josse aus dem Lesebuch "Daheim und draußen" des zweiten Schuljahres von 1954, bearbeitet von Schulrat Eugen Antoni


Eben las ich im Blog "Echo Romeo" den schönen und bewegenden Text der Nationalhymne von Jamaika - hier zu finden. Bei diesem Text handelt es sich um ein Gebet - ja, da hat Bloggerkollege Bastian recht, unsere sonst so schöne Hymne erscheint ein wenig selbstgerecht dagegen.  Cinderella01 vom Beiboot Petri hat in ihrem Kommentar die Hymne des Bayernlandes erwähnt: "Gott mit Dir, Du Land der Bayern....  "klick" machte es, und mir fiel  die "Regionalhymne der Pfalz" ein, die ich in meinen ersten Schuljahren an der Kaiserslauterer Barbarossa - Schule noch gelernt und kräftig mitgesungen habe. Auch in diesem Lied ist die Rede von der Schönheit der Religion: Von Kirchen und Kapellen, von Sonntagsglocken, von des "Domes stolzer Bau" und sogar von "sel'ger Ruh". Gedichtet (1869) wurde das Lied von dem Schriftsteller und Opernsänger Eduard Jost. Die Melodie stammt von dem Flötisten Jean Baptiste Sauvet. (1877)

Eduard Josts Portrait bei der  Klosterruine Limburg, Bad Dürkheim

Dies ist der Text:

                                                                           
Das Pfälzerlied
Am deutschen Strom, am grünen Rheine ziehst du dich hin, o Pfälzerland!
Wie lächelst du im Frühlingsschmucke, wie winkt des Stromes Silberband!
Da steh’ ich auf des Berges Gipfel und schau auf dich in süßer Ruh’,
und jubelnd ruft’s in meinem Herzen:
O Pfälzerland, wie schön bist du! O Pfälzerland, wie schön bist du!
Es nickt von deinen sanften Hügeln die Rebe mir im Sonnenstrahl,
es lockt das Grün mich deiner Wälder, der Fluren Pracht in jedem Tal.
Von deinen Kirchen und Kapellen tönt mir die Sonntagsglocke zu,
und Andacht und Begeist’rung flüstern:
O Pfälzerland, wie schön bist du! O Pfälzerland, wie schön bist du!
Und deiner Burgen graue Trümmer und deines Domes stolzer Bau,
wie grüßen sie im Sonnengolde vom Berge mich und aus der Au!
Es zieht mich hin zu ihren Räumen, es treibt mich ihren Hallen zu,
und wie ich wandre, tönt es freudig:
O Pfälzerland, wie schön bist du! O Pfälzerland, wie schön bist du!
Ja, schön bist du, o Fleckchen Erde am deutschen Strom, am grünen Rhein,
du Land voll Biederkeit und Treue, du Land im Frühlingssonnenschein!
Und find’ ich einst in deinem Schoße, o Pfälzerland, die sel’ge Ruh',
dann ruf’ ich mit dem letzten Hauche:
O Pfälzerland, wie schön bist du! O Pfälzerland, wie schön bist du!

und hier kann man sich das anhören


Mittwoch, 8. August 2012

Prediger der Gnade

Henri Matisse malt den hl. Dominikus. Mit dem Malstock
konnte der Kranke auch im Liegen arbeiten und entwarf
seine  Werke dann vom Bett aus an der Decke.*
Anders als andere Ordensgründer wie sein Zeitgenosse Franz von Assisi oder Benedikt von Nursia, Ignatius von Loyola oder in neuerer Zeit Mutter Theresa ist Dominikus als Persönlichkeit nur schwer zu fassen. In der Rosenkranz-Kapelle der Dominikanerinnen von Vence ist er von Henri Matisse nur mit einigen hingeworfenen Strichen auf weißer Fläche dargestellt worden.
Dies gibt sehr gut einen seiner Hauptcharakterzüge wieder, nämlich seine große Bescheidenheit, die noch über den Tod hinaus reichte; er trat hinter sein eigenes Werk so sehr zurück, dass er von uns nur noch skizzenhaft erkennbar ist, aber - wie Matisse meinte - doch unverkennbar am "Habit" des Ordens, der sein Werk ist**. Am Habit - nicht nur als Bezeichnung für das Ordenskleid sondern auch für habitus - die Gewohnheiten, Gepflogenheiten, Prinzipien seines Ordens.

In der Rosenkranzkapelle der Dominikanerinnen in Vence
(via archeiropoietos)

Der Orden der Predigerbrüder - Dominikaner -  wurde 1216 gegründet. Dominikus' Mutter soll während ihrer Schwangerschaft von einem Hund geträumt haben, der mit einer Fackel, die er im Maul trug, die Erde entzündete - ein Motiv, das als Attribut des Heiligen in die Ikonografie Eingang gefunden hat. 

Dominikus war ein weltläufiger Mann. Fast könnte man sagen, ein Global Player. Ländergrenzen spielten für ihn keine Rolle, er überwand sie – zu Fuß. Das was wir heute so gerne beschwören – Flexibilität und Internationalität war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Ich glaube zwar, dass das für das so oft geschmähte Mittelalter sehr viel typischer war als für unsere Zeit, aber Dominikus und seine Brüder waren darin sozusagen „Trendsetter“. Unermüdlich unterwegs für das Evangelium. Das hat mich immer mit großem Staunen erfüllt. So viel Anstrengung für das Evangelium? Keinen Platz zu haben, wo man dauerhaft bleiben kann, ständig in Gefahr, nicht nur durch Wegelagerer sondern auch durch Krankheit, Verletzungen, körperliche Vernachlässigung? Das können wir uns heute nicht mehr vorstellen, wir haben es uns im Evangelium viel zu bequem gemacht. Wir glauben nicht mehr wirklich, dass wir Fernstehende davon überzeugen müssen - aus Liebe zu ihnen und um ihres Heiles willen. „Der liebe Gott wird‘s schon richten und zu viel Überzeugungsarbeit ist doch intolerant“. Das ist ein Stachel in meinem Fleisch, dass ich nicht so glühend für das Evangelium einstehe wie Dominikus.


Dominikus war ein Mann des Evangeliums - er brannte für die Verbreitung des Evangeliums. Seine Triebfeder war die Verkündigung, und in diesem Anliegen gründete er seinen Orden in einer Zeit, in der die Predigt ausschließlich den Bischöfen vorbehalten war. Es war ein moderner Orden - ein Bettelorden, arm, wie die großen Häresiebewegungen der Albingenser und Katharer, die er in die Kirche zurückführen wollte, nicht sesshaft, in den Städten anzutreffen, möglichst in der Nähe der großen Universitäten. Gemeinschaft, Gebet, Studium und Verkündigung sollten nach dem Willen des Gründers die tragenden Stützen seiner Brüder sein. Contemplare et contemplata aliis tradere sollte sein großer Sohn, der hl. Thomas von Aquin, wenige Jahrzehnte später formulieren:  Das in der Kontemplation Erfahrene und aus der Fülle der Betrachtung Fließende weitergeben. Mit Kontemplation ist hier  jedoch nicht ausschließlich Gebet und Meditation gemeint, sondern auch das Studium. Kontemplation und Studium nicht als Selbstzweck oder als spirituelle oder intellektuelle Selbstbefriedigung, sondern einzig, um dem Heil der Seelen nützlich zu sein. Denn Dominikus glaubte fest an das, was uns heute so schwerfällt zu glauben: dass das Heil  der Seele verlierbar ist und dass es durch die Wahrheit und die Gnade Gottes, die uns beide das Evangelium offenbart, gerettet wird. Dominikus war ein Doctor veritatis, Lehrer der Wahrheit, Praedicator gratiae,  Prediger der Gnade wie ihn der Predigerorden in seiner abendlichen Antiphon O Lumen Ecclesiae - Licht der Kirche - besingt.

* Matisse schrieb: "Diese Kapelle ist für mich die Erfüllung eines ganzen arbeitsreichen Lebens und die Blüte einer riesigen, ehrlichen und schwierigen Anstrengung. Es ist nicht eine Arbeit, die ich mir ausgesucht habe, sondern vielmehr eine Arbeit, für die ich vom Schicksal auserwählt wurde am Ende meines Lebensweges, den ich noch immer suchend verfolge. Die Kapelle hat mir ermöglicht, das, was ich suche, festzuhalten, indem ich es vereinigen konnte."

** Dazu sagte Matisse: "Dabei hat mir gerade diese (Figur des hl. Dominikus) am meisten Mühe gemacht! Obwohl ich mich schon früher mit ihr beschäftigt habe. Sie hat mich in meine Nächte und Träume hinein verfolgt. Ich habe mich nur dadurch davon befreien können, das ich sie wieder und wieder gezeichnet habe. ... Und auf wie viele Blätter habe ich seine Figur gezeichnet - und wie viele Blätter mit seine Figur habe ich zerstört ... Was mich dabei hauptsächlich beschäftigt hat, ist die Kutte des hl. Dominikus. Sie können sagen, eine Kutte ist eine Kutte. Ja; Aber wahrscheinlich haben Sie schon bemerkt, dass die Kutten der verschiedenen Orden, je nach den Mönchen, die sie tragen, verschieden wirken. Auch eine Kutte nimmt die Physiognomie des Mannes an, der sie trägt: wenn dieser, das allerdings ist die Voraussetzung, ein Individuum ist. Ich habe mir gesagt; Es muss möglich sein, sie mit wenigen Strichen so wiederzugeben, dass man sieht: das kann nur die Kutte eines Dominikaners sein! Ich bin nicht so weit gegangen, anzunehmen, dass es mir gelingen werde, sichtbar zu machen, dass es sich um die Kutte des hl. Dominikus handelt. Und doch habe ich gehofft, einmal so weit zu kommen.

zitiert nach: Lorenz Dittmann: Matisse begegnet Bergson. Bröhlau Verlag. 2007



Dienstag, 7. August 2012

Hl. Vater Dominikus - Hochfest des Dominikanerordens

Hl Dominikus de Guzmán, Gründer des Predigerordens, * um 1170 in Caleruega bei Burgos; † 6. August 1221 in Bologna
Liebe Brüder und Schwestern!

Vorige Woche habe ich die helle Gestalt des Franz von Assisi vorgestellt, heute möchte ich über einen anderen Heiligen sprechen, der in derselben Epoche einen grundlegenden Beitrag zur Erneuerung der Kirche seiner Zeit gegeben hat. Es handelt sich um den heiligen Dominikus, den Gründer des Predigerordens, der auch unter dem Namen Dominikanerorden bekannt ist.
Sein Nachfolger in der Ordensleitung, der selige Jordan von Sachsen, bietet im Text eines berühmte Gebets ein vollständiges Bild des heiligen Dominikus: „Entflammt vom Eifer für Gott und von übernatürlicher Glut hast du dich durch deine grenzenlose Liebe und die Inbrunst des Geistes voll Innigkeit ganz mit dem Gelübde der ständigen Armut dem apostolischen Gehorsam und der Verkündigung des Evangeliums geweiht“. Gerade dieses Grundmerkmal des Zeugnisses des heiligen Dominikus ist es, dass hervorgehoben wird, er sprach immer mit Gott und von Gott. Im Leben der Heiligen gehen die Liebe zum Herrn und zum Nächsten, die Suche nach der Herrlichkeit Gottes und des Seelenheils immer zusammen.

der hl. Dominikus in St. Martin
Dominikus wurde in Spanien in Caleruega um das Jahr 1170 geboren. Er entstammte einer adeligen Familie Altkastiliens und bildete sich mit der Unterstützung eines Onkels, der Priester war, in einer berühmten Schule von Palencia. Sofort zeichnete er sich durch sein Interesse für das Studium der Heiligen Schrift und durch seine Liebe zu den Armen aus. Dies ging so weit, dass er seine Bücher verkaufte, die damals ein Gut von großem Wert darstellten. Mit diesem Erlös half er dann den Opfern einer Hungersnot.

Nach seiner Priesterweihe wurde er zum Kanoniker des Kapitels der Kathedrale seiner Heimatdiözese Osma gewählt. Auch wenn diese Ernennung für ihn Anlass zu einigem Ansehen in Kirche und Gesellschaft geboten hätte, legte er sie weder als ein persönliches Privileg noch als den Anfang einer brillanten Karriere in der Kirche aus, sondern als einen Dienst, der mit Hingabe und Demut zu leisten ist. Ist die Versuchung der Karriere, der Macht, nicht vielleicht eine Versuchung, der gegenüber selbst jene nicht gefeit sind, die eine Rolle der Gestaltung und Regierung in der Kirche spielen? 

Der Bischof von Osma namens Diego, ein wahrer und eifriger Hirte, bemerkte sehr bald die geistlichen Qualitäten des Dominikus und wollte auf dessen Mitarbeit zurückgreifen. Gemeinsam begaben sie sich nach Nordeuropa, um diplomatische Missionen zu erfüllen, die ihnen der König Kastiliens anvertraut hatte. Während der Reise wurde sich Dominikus der enormen Herausforderungen für die Kirche seiner Zeit bewusst: Das Vorhandensein von noch nicht evangelisierten Völkern an den nördlichen Grenzen des europäischen Kontinents sowie die religiöse Zerrissenheit, die das christliche Leben im Süden Frankreichs schwächte, wo das Wirken einiger häretischer Gruppen die Wahrheit des Glaubens störte und von ihr entfernte. Das missionarische Wirken gegenüber jenen, die das Licht des Evangeliums nicht kennen, und das Werk der Wiederevangelisierung der christlichen Gemeinden wurden so die apostolischen Ziele, deren Verfolgung sich Dominikus vornahm. Es war der Papst, zu dem sich Bischof Diego und Dominikus begaben, um ihn um Rat zu bitten, der letzteren bat, sich der Predigt bei den Albigensern zu widmen, einer häretischen Gruppe, die eine dualistische Wirklichkeitsauffassung vertrat, mit zwei gleich mächtigen schöpferischen Prinzipien des Guten und des Bösen; und diese Gruppe verachtete folglich die Materie als Ausfluss des Prinzips des Bösen, sie lehnte auch die Ehe ab, leugnete die Fleischwerdung Christi, die Sakramente, mit denen der Herr uns durch die Materie berührt, und die Auferstehung des Fleisches.
aus den "Modi orandi sancti Dominici"
entstanden um 1330 in Südfrankreich. Primus modus orandi

Die Albigenser schätzten das arme und strenge Leben, und in diesem Sinn waren sie auch beispielhaft, und sie kritisierten den Reichtum des Klerus jener Zeit. Dominikus nahm diesen Auftrag begeistert an und verwirklichte ihn gerade mit dem Vorbild seines armen und strengen Lebens, mit seiner Predigt des Evangeliums sowie mit öffentlichen Debatten. Dieser Sendung der Predigt der Frohen Botschaft widmete er den Rest seines Lebens. Seine geistlichen Kinder sollten dann auch die anderen Träume des heiligen Dominikus verwirklichen: die Mission „ad gentes“, bei den Menschen, die Jesus noch nicht kannten, sowie die Mission bei jenen, die in den Städten lebten, vor allem in den Universitätsstädten, wo die neuen intellektuellen Tendenzen eine Herausforderung für den Glauben der Gebildeten darstellten.

Dieser große Heilige ruft uns in Erinnerung, dass im Herzen der Kirche stets ein missionarisches Feuer brennen muss, das unaufhörlich dazu drängt, die erste Verkündigung des Evangeliums und, wo notwendig, eine neue Evangelisierung zu bringen: Christus nämlich ist das kostbarste Gut, das zu kennen und zu lieben die Männer und Frauen aller Zeiten und Orte ein Recht haben! Und es ist tröstlich zu sehen, dass es auch in der Kirche von heute viele gibt – Hirten und Laiengläubige, Mitglieder alter Orden und neuer kirchlicher Bewegungen –, die freudvoll ihr Leben für dieses höchste Ideal aufwenden: das Evangelium zu verkünden und für es Zeugnis abzulegen.
Nonus modus orandi

Dominikus de Guzmán schlossen sich dann weitere Männer an, die von demselben Bestreben angezogen waren. So entstand mit der ersten Gründung in Toulouse der Predigerorden. Dominikus nämlich wandte in vollem Gehorsam gegenüber den Anweisungen der Päpste seiner Zeit, Innozenz III. und Honorius III., die alte Regel des heiligen Augustinus an, indem er sie den Erfordernissen des apostolischen Lebens anpasste, die ihn und seine Gefährten dazu brachten, zu predigen und sich dabei von einem Ort zum anderen zu bewegen, um dann jedoch zu den eigenen Konventen zurückzukehren, die Orte des Studiums, des Gebets und des Gemeinschaftslebens waren. In besonderer Weise wollte er zwei Werte in den Vordergrund treten lassen, die er für den Erfolg der das Evangelium bringenden Mission für unverzichtbar hielt: das Gemeinschaftsleben in Armut und das Studium.

Dominikus und die Predigerbrüder präsentierten sich vor allem als Angehörige eines Bettelordens, das heißt ohne breit angelegte Landbesitze, die es zu verwalten gilt. Dieses Element machte sie gegenüber dem Studium und der Wanderpredigt aufgeschlossener und bildete ein konkretes Zeichen für die Menschen. Die innere Leitung der Konvente und der dominikanischen Provinzen wurde entsprechend dem System von Kapiteln strukturiert, die ihre Oberen wählten, welche dann von den Generaloberen bestätigt wurden; eine Organisation also, die das brüderliche Leben und die Verantwortung aller Mitglieder der Kommunität anregte und dabei starke persönliche Überzeugungen forderte. Die Entscheidung für dieses System entstand gerade aus der Tatsache, dass die Dominikaner als Prediger der Wahrheit Gottes angesichts dessen, was sie verkündigten, konsequent sein mussten.
Die studierte und in der Liebe mit den Brüdern geteilte Wahrheit ist die tiefste Grundlage der Freude. Der selige Jordan von Sachsen sagte über den heiligen Dominikus: „Er nahm jeden Menschen im großen Schoß der Liebe auf, und da er alle liebte, liebten alle ihn. Er hatte es sich persönlich zum Gesetz gemacht, sich mit den glücklichen Menschen zu freuen und zu weinen mit jenen, die weinten“ (Libellus de principiis Ordinis Praedicatorum autore Iordano de Saxonia, Hrsg. H.C. Scheeben, [Monumenta Historica Sancti Patris Nostri Dominici, Romae, 1935]).

Octauus modus orandi
Des weitern wollte Dominikus mit einer mutigen Geste, dass die, die ihm nachfolgten, eine feste theologische Bildung erfahren, und er zögerte nicht, sie in die Universitäten seiner Zeit zu entsenden, auch wenn es nicht wenige Männer der Kirche gab, die voll Misstrauen auf diese kulturellen Einrichtungen blickten. Die Konstitutionen des Predigerordens messen dem Studium als Vorbereitung zum Apostolat große Bedeutung bei. Dominikus wollte, dass sich ihm seine Brüder sorgfältig und fromm widmen, ohne sich dabei aufzusparen; einem Studium, das in der Seele eines jeden theologischen Wissens gründet, das heißt in der Heiligen Schrift, und die von der Vernunft gestellten Fragen achtet. Die Entwicklung der Kultur auferlegt auf verschiedenen Ebenen allen, die den Dienst am Wort verrichten, gut vorbereitet zu sein. 

Dominikus, der einen Orden von Predigertheologen gründen wollte, erinnert uns daran, dass die Theologie eine spirituelle und eine pastorale Dimension besitzt, welche die Seele und das Leben bereichert. Die Priester, die geweihten Personen und auch alle Laiengläubigen können eine tiefe „innere Freude“ in der Betrachtung der Schönheit der Wahrheiten finden, die von Gott kommen, Wahrheiten, die immer aktuell und immer lebendig sind. Der Wahlspruch der Predigerbrüder –contemplata aliis tradere – hilft uns dann, im kontemplativen Studium dieser Wahrheiten einen seelsorglichen Eifer zu finden, der es erfordert den anderen das Ergebnis der eigenen Betrachtung zu vermitteln.
Hl. Dominikus mit Buch, einem seiner Attribute, in der von Henri Matisse gestaltteten Rosenkranzkapelle der Dominikanerinnen in Vence, 

Liebe Schwestern und Brüder, das Leben des Dominikus de Guzmán möge uns alle anspornen, zutiefst verliebt in Jesus Christus eifrig im Gebet zu sein und mutig den Glauben zu leben. Durch seine Fürsprache bitten wir Gott, die Kirche stets mit echten Predigern des Evangeliums zu bereichern.

Auszüge aus einer Katechese Papst Benedikts XVI vom 3. Februar 2010




Dienstag, 31. Juli 2012

Pfälzer in Gefangenschaft II

Im zweiten Teil seines Berichts  beschreibt Eugen Antoni die fachkundige und hingebungsvolle Herstellung einer vollständigen Messausstattung mit einfachsten Mitteln durch die Gefangenen in Voves bei Chartres, ehemals ein Stanmmlager der Nazis, dann ein französisches Internierungslager und schließlich ab September 1944 ein amerikanisches Kriegsgefangenenlager.
Ich finde diesen Teil seines Berichts besonders bewegend und nicht zuletzt auch ein Zeichen von erfrischend pragmatischer Ökumene unter besonderen Umständen....  Nur zu gerne hätte ich diese Messausstattung gesehen!

Die allerschönste, wenn auch schwierigste Aufgabe der Gemeischaftsarbeit war die Schaffung einer dritten Messausstattung für die katholischen Feldgeistlichen des Lagers. Sie hätten uns gerne täglich zur gewohnten Morgenstunde in jedem Cage (abgeschlossenem Lagerteil für 1500 Gefangene) die hl. Messe gefeiert. Aber für sieben Priester standen nur zwei Messkoffer zur Verfügung. Deshalb regte der ob seiner kernigen Predigten allseits beliebte Lagerpfarrer die Schaffung einer dritten Garnitur von Messgerät und Priestergewand an.
Wie würden unsere Frauen staunen, wenn sie sehen könnten, was unermüdlicher Männerfleiss rein aus dem Nichts hervorzauberte. Einige Offiziere hatten in ihrem Gepäck Leinenbettücher, weisse Hemden und Taschentücher bis hierher durchgebracht. Ein tüchtiger Schneider nähte daraus mit Schere, Faden und Nadel, die ihm Kameraden liehen, ohne Nähmaschine, ja ohne Fingerhut zwei Altardecken, ein Messgewand mit Stola und Manipel, eine Albe mit Schultertuch und Zingulum, ein Kelchvelum mit Bursa und Corporale. Als einzigen Schmuck bekamen Altartücher, Messgewand und Albe breite rote  Streifen aus Bettbarchent, der vorher als Behelfsrucksack diente.

Mit sorgfältig aus diesem Stoff ausgezogenen Fäden stickte ein junger Künstler Kelchgarnitur und Stola mit schönem Kreuzstichmuster. Leider fehlte vorerst noch der Kelch. Weil keiner der Katholiken dazu fähig war, wurde ein protestantischer Goldschmied gewonnen, der aus Messingkonservenbüchsen einen kunstvollen Kelch mit Patene und Löffelchen, zwei Messkännchen und die Altarleuchter schuf. Zum Entgelt für seine Mühe sammelten die Katholiken eine reiche Tabakspende, denn der ebenso rare wie begehrte Tabak war im geldlosen Gefangenenlager das übliche Zahlungsmittel. Mit Tabak wurde auch der Bildhauer beschenkt, der für das Altarkreuz einen wundervollen Christuskörper aus einem Birnbaumknorren schnitzte, den die Köche sorgfältig aus ihrem Brennholz ausgelesen hatten. Sie stifteten dazu noch zahlreiche wachsüberzogene Schachteln, von denen viele fleissige Hände das Wachs abschabten, das ein alter Wachszieher zu dicken Altarkerzen umgoss. Nun mussten noch Messbuch, Hostien und Wein beschafft werden. Der vollständige „Schott“, mit seinem Besitzer in sechs Kriegsjahren durch halb Europa gewandert, genügte vorerst als bescheidenes Messbuch. Hostien etwas ungewohnter Art fertigten mit mehr gutem Willen als Fachkenntnis Kameraden der Lagerbäckerei. Messwein stiftete der gütige französische Ortspfarrer, obwohl es ihm nur schwer gelang, den eigenen Bedarf zu decken. Wie vor beinahe einem Menschenalter gelüstete es die jetzt schon etwas ergrauten Messdiener wieder nach dem Weinüberrest im Messkännchen. Wer mag das auch einem Pfälzer verdenken, der schon über ein Jahr keinen Tropfen von dieser köstlichen Gottesgabe zu trinken bekam?

Bis die Messausstattung fertig war, begnügten wir uns mit unvergesslich stimmungsvollen Maiandachten. In einer stillen Lagerecke traten bei Sonnenuntergang die Kameraden um den Vorbeter, respondierten nach kurzer Lesung  kräftig zu Litanei oder Rosenkranz und sangen tiefergriffen das altvertraute „Meerstern ich dich grüße, O Maria hilf!“ zum funkelnden Sternenhimmel hinauf. Nur noch ein einziges Mal sahen wir dann noch unsere selbstgeschaffene Altarausstattung wie Gold und Purpur in der Morgensonne aufleuchten, als der Lagerpfarrer uns den Abschiedsgottesdienst hielt zu jener Fahrt, die uns angeblich in die Heimat zum Lager Baumholder bringen sollte. Doch zu unserer bitteren Enttäuschung fuhr der Transportzug in verkehrter Richtung und entfernte uns noch viel weiter von den Lieben daheim, denen all unser Sorgen, Sehnen und Beten galt.


Die in Esthal zurück gelassenen Kinder: Helene, Ruth, Wolfgang und Maria


Sonntag, 29. Juli 2012

Bericht aus der Gefangenschaft

Vermutlich im letzten Kriegsjahr und darüber hinaus (genaue Daten liegen uns leider nicht vor) verbrachte unser Großvater Eugen Antoni einige Monate in amerikanischer Gefangenschaft in verschiedenen Lagern auf französischem Boden - zunächst in Voves bei Chartres, dann in Foucarville in der Normandie. Zurück in Esthal verfasste er über diese schwierige Zeit einen Bericht, der vermutlich zur Publikation bestimmt war und vielleicht auch veröffentlicht wurde - möglicherweise in der Bistumszeitung "Der Pilger".
Diesen Bericht werden wir hier aufgrund seiner Länge in mehreren Teilen einstellen. Er ist nicht nur als generelles Zeitzeugnis interessant, sondern auch deshalb, weil er einmal mehr den Mythos vom vor dem Konzil  liturgisch völlig ungebildeten und unselbständigen katholischen Laien in Frage stellt.


Pfälzer in Gefangenschaft
von Hauptlehrer E. Antoni, Esthal



Erinnert ihr euch noch an die Geschichte vom Pfälzer Weberlein? Vor Jahren haben wir sie in der Volkssschule gelernt und waren stolz auf den stimmkräftigen Landsmann, den der Pfälzer Kaiser im Wiener Stephansdome aus Hunderten von Sängern heraushörte. Gerade so wie dem guten Kaiser Rupprecht im fernen Wien ging es mir in mehreren amerikanischen Gefangenenlagern. Ich hatte Heimweh nach der schönen Pfalz, noch mehr aber nach den lieben Pfälzern. Wenn man ganz allein unter einigen tausend Ostmarkern, Sachsen oder gar Preussen leben muss, die so ganz anders in ihrem Denken, Fühlen und Reden sind, kommt einem gar oft das heulende Elend an. Übetriebene österreichische Höflichkeit, sächsische Gemütlichkeit und preussische Großmäuligkeit „hängt“ dem Pfälzer schon nach einigen Wochen „ellenlang zum Halse heraus“. Mit allen Fasern des Herzens sehnt er sich darnach, endlich wieder auf gut Pfälzisch ohne alle Höflichkeitsfloskeln und nichtssagenden Sprüche  „bable“ zu können. Als ich an Christi Himmelfahrt im Lager V o v e s ganz tief im seelischen Katzenjammer drinstak, kam die Rettung. Beim Lagergottesdienst, dem einige tausend Gefangene beiwohnten, klangen sieghaft aus dem zaghaften, unsicheren Gesang der Söhne vieler deutscher Stämme einige klare, kräftige und wohlgeschulte Stimmen heraus. Sofort erkannte ich an der heimatlichen Sangesart die Landsleute und konnte kaum den Schluss des Gottesdienstes abwarten, um sie zu begrüssen. Rasch war die Kameradschaft – von der die „lieben“ Preussen immer soviel redeten und so wenig zeigten – bei den paar Pfälzer da, umschloss uns doch ein doppeltes Band: die gleiche Heimat und der gleiche Glaube.
Wie wohltuend empfand es das Ohr, nach langer Zeit wieder einmal die vertrauten Laute aus dem Hasenpfuhl und Hemshof, vom Kotten und Horeb zu hören! Über uralte Bauernwitze aus dem tiefsten Westrich wurde herzhaft gelacht und manche Kalamität des düstern Alltags mit der zuversichtlichen Lebensweisheit zahlreicher Sprichwörter vom Rande der Haardt überwunden. Noch mehr aber half zur Meisterung vielfacher Nöte die nieversagende Hilfe der Landsmannschaft , die in ihrer Gesamtheit alles das besass, was dem Einzelnen fehlte: Nähnadel, Schere und Faden, Rasierpinsel und Spiegel, Zigarettenmaschine und Schuhbürste, kurzum viele unscheinbare, aber unentbehrliche Dinge täglichen Bedarfes. Was einer besass, stand allen zur Verfügung und ging ständig reihum. Aber auch mit Kenntnissen und Fertigkeiten half man sich brüderlich aus. Einer, dem glücklicherweise schon seine Mutter das Strümpfestopfen beibrachte, besorgte es für die anderen, die es als alte Männer leider nichtmehr lernten. Ein anderer bastelte aus Konservenbüchsen Essnäpfe, Trinkbecher und Seifenschalen, bis er wegen der ewigen Klopferei aus einer Lagerecke in die andere gescheucht wurde. Ein dritter fabrizierte Zeltstoffhausschuhe mit Holzsohlen, ein vierter Reisekoffer aus Kistenbrettern. Da schnitzte eine besonders geschickte Hand mit alten Rasierklingen aus Birkenholzstückchen künstlerische Schachfiguren, dort malte ein Zeichengenie auf sorgfältg gesammelten gleichartigen Zigarettenschachteln lustige Kartenblätter, die bald aus Pfälzer Faust mit herzhaftem „Trump!“ auf den wackligen Zelttisch knallten. 


Freitag, 27. Juli 2012

Oh! Danke! Ein Sonderpreis!

Schwester Robusta ist sonderbar,
sogar für die Gelehrten,
nur ab und zu in manchem Jahr
entdeckt man ihre Fährten......
(frei nach James Krüss)

Ja, wir haben einen Sonderpreis bekommen und finden das sonder -und wunderbar! Hier ist er:

Wir bedanken uns gaaanz besonders!

Dienstag, 24. Juli 2012

Nochmals: In LU und um Lu und um LU herum - alte und neuere Kreuze, Kapellen und Bildstöcke

Schon wieder hat sich eine längere Pause ergeben. Verschiedene Umstände haben dafür gesorgt, dass wir nicht so fleißig bei der "Arbeit" sein konnten, wie zuvor. Trotzdem konnten wir zu unserer großen Überraschung feststellen, dass wir für die "Schwester Robusta", dieses nette und lustige Preis - Persönchen , doch nominierungswürdig waren, und bedanken uns ganz herzlich dafür! (Wir selbst hätten uns allenfalls für "Trägheit" vorgeschlagen - aber das wird nun hoffentlich wieder besser.)
 Mit den folgenden Bildern stellen wir das dreizehnte Album fertig ein. In diesen Tagen denken wir besonders oft an unseren Vater, der vor einem Jahr schon todkrank gewesen ist. An sein Krankenbett hatten wir auch einige seiner Alben mitgenommen, um ihm die Bilder zu zeigen. Sprechen konnte er nicht mehr mit uns, aber all seine Fotos, die von ihm geliebte Musik, die Texte und Überlegungen, die er selbst geschrieben hatte, all das sorgte doch für eine vielfältige Kommunikation mit dem Sterbenden. Meine Schwester sagte einmal: "Unsere Eltern hatten in ihrem Sterben keinen leichten Weg - umso größer sind die Zeichen, die sie uns gaben."


30. Oggersheim, am Mittelgraben. Ein Kreuz, das eher wie ein Baum wirkt, mit zurechtgestutzten Ästen. Wie eingezeichnet wirkt die Gestalt des Heilands, nicht als Gekreuzigter, sondern als der Auferstandene dem Himmel zu wachsend.


31. Mutterstadt, ein "modernes Kreuz im Friedhof" - so lautet die Bildunterschrift.


32. Mutterstadt: "Verborgen im Gebüsch am Feldweg zum Friedhof". Die Inschrift am Sockel ist leider vom Blumenschmuck verdeckt.


33. Mutterstadt, an der L 533. Inschrift: Im Kreuz ist Heil.


34. Schifferstadt: "1817 im Westen errichtet". Ein eindrucksvolles Sandsteinkreuz.


35. Otterstadt; Kreuz im Friedhof.


36. Otterstadt; Kapelle im Friedhof


37a. Kreuz an der Kapelle. Auf der selben Albumseite eingeklebt ist ....


37 b. ....die Figur des Hl. Nepomuk, die sich auch an der Kapelle befindet.


38. Otterstadt, an der Kirche. Inschrift auf dem Kreuzesbalken: "Rette Deine Seele".


Otterstadt Nord. Ein Bildstock von 1786. Er befindet sich an der Kreuzung Speyerer Straße / Lindenstraße.


40. Maudach, Kapelle von 1865.


41a. Dieses und das folgende Foto befinden sich wieder auf einer Albumseite; bezeichnet: "Maudach. Ein Ruheplatz im Gebüsch neben der Umgehung" Inschrift auf dem Sockel, soweit leserlich: "Errichtet von der katholischen Pfarrei Maudach im Weltkriege 1916./ Von Pest, Hunger und Krieg erlöse uns, oh Herr. / Gedenke der gefallenen Krieger"


41b. Nochmals dieses Kreuz in Maudach.


42. Bildstock nördlich von Maudach. Es handelt sich um das "Maudacher Bildstöckl unserer lieben Frau" - Näheres hier nachzulesen. Inschrift: "Maria / Du Helferin der Christen/ Bitt für uns"


43. Mitten im Feld, westlich von Waldsee


44. Bildunterschrift: "Was bedeutet sie, die alte Säule nördlich von Waldsee?"


45. Waldsee, auf dem Friedhof


46. Marienbrunnen bei der Wallfahrtskirche in Oggersheim - Maria Himmelfahrt