Samstag, 14. September 2013

Kreuzerhöhung

Kreuz im Hof des ehemaligen
Karmeliterklosters Schongau

Das Wort vom Kreuz ist nämlich denen, die verloren gehen, eine Torheit; uns jedoch, die gerettet werden, Gottes Kraft. Es steht ja geschrieben: Vernichten will ich die Weisheit der Weisen und die Klugheit der Klugen beiseite schieben.

Wo ist ein Weiser, wo ein Schriftgelehrter, wo ein Wortgewaltiger in dieser Welt? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt? Denn da die Welt in der Weisheit Gottes durch ihre Weisheit Gott nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Predigt jene zu retten, die glauben.

Während nämlich die Juden Zeichen fordern, und die Griechen Weisheit suchen, predigen wir Christus, den Gekreuzigten; für die Juden ein Ärgernis, für die Heiden Torheit; für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.


Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.

Schaut doch nur auf euere Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise nach irdischer Auffassung, nicht viele Mächtige, nicht viele Hochgeborene. Nein, was die Welt für töricht hält, hat Gott erwählt, um die Weisen zu beschämen; was die Welt für schwach hält, hat Gott erwählt, um die Starken zu beschämen; 


und das Geringe in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, um das was etwas ist, zunichte zu machen damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. 
Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott zur Weisheit gemacht ist, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. So sollte das Schriftwort Geltung behalten: Wer sich rühmen will, rühme sich des Herrn.

1 Kor. 18-31





Das abgebildete Votivkreuz wurde von dem Bildhauer Sepp Erhart aus Unterammergau zum Dank für seine glückliche Heimkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft angefertigt und der Stadt Schongau 1994 übereignet.

Sonntag, 8. September 2013

Zu Maria Geburt


Madonna der Erzabtei St. Ottilien in St. Ottilien
(Foto von dortselbst)


Der Maria Geburt

(Procopii Mariale Festivale I, S. 228.)

Gleich wie die lieb Waldvögelein,
Mit ihren Stimmen groß und klein
Früh morgens lieblich singen,
Sobald anbricht die Morgenröth,
Wenns purpurfarb am Himmel steht,
In Berg und Thal sie klingen.

Also ihr Menschen kommt herbey,
Laßt hören eure Melodey,
Das Kindelein zu grüssen.
Heut fröhlich sein Geburtstag fällt,
Sankt Anna bringt es auf die Welt,
Es lasset euch geniessen.

Die Morgenröth so kühl und naß,
Die schönen Blumen, Laub und Gras
Sich alle freundlich neigen,
Weil dieses Kind mit Gütigkeit
Erquicket ihre Mattigkeit,
Sie ihren Dank so zeigen.

Also, weil wie der Morgenthau,
Heut aufgeht unsre liebe Frau
Zum Trost der armen Seelen,
In Demuth grüß sie jedermann,
Denn sie ists, die uns trösten kann
In aller Trauer Quälen.

Achim von Arnim
(Text entnommen aus der deutschen Gedichtebibliothek)

Freitag, 6. September 2013

Im südöstlichsten Zipfel der Pfalz: Kreuze und eine Madonna in Niederotterbach, Kleinsteinfeld, Erlenbach und Schweighofen




39. Ein schönes Kruzifix vor goldenem Herbstlaub in Niederotterbach, möglicherweise auf dem Friedhof; leider ist die vergoldete Inschrift nicht lesbar.



40. Kreuzigungsgruppe im Feld bei Kleinsteinfeld. Das Gegenlicht macht die Inschrift auf den Sockeln, die die Figuren tragen, unlesbar, aber hier und hier kann man sie doch finden.

Inschrift auf dem rechten Sockel, der die Muttergottesfigur trägt: Jesum lieben war nur deine Freude. So zu lieben ist mein Herz bereit.

Auf dem linken Sockel mit der Johannesfigur: Erbitt mir doch Gelassenheit, wie du zu tragen Kreuz und Leid

Der Kreuzsockel trägt zwei Inschriften:

Unter der dritten Figur, vermutlich Maria Magdalena: Bitt das ich wie du   wahre Buse thu

und im Mittelfeld: Schaut Christen hier den Heiland an und lernet was er für uns gethan. Für alle Sünder flos sein Blut, doch nützt's nur dem der Buse thut



41. Ein besonders beeindruckendes Kreuz bei Erlenbach in der Nähe von Kandel. Scheint sehr alt zu sein.



42. In Schweighofen nahe der deutsch-französischen Grenze steht (wohl auf dem Friedhof) dieser interessante Bildstock mit zwei Kreuzen. Das obere sieht älter aus als der Rest.



43. Ein interessanter Brunnen mit einer Madonna auf der Mondsichel und dem Wappen von Schweighofen. Der Petrusschlüssel soll  an die ehemalige Benediktinerabtei Weißenburg (Wissembourg) erinnern.

Mittwoch, 28. August 2013

I have a dream


Heute vor 50 Jahren hielt der Baptistenpastor Martin Luther King seine berühmte Rede, die als zentrales Ereignis der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und des gewaltlosen Widerstands in die Geschichtsschreibung und darüber hinaus in das kollektive Gedächtnis einging. 10 Jahre später wurde diese charismatische Gestalt und das "civil rights movement" mit seinen zahllosen heroischen Kämpfern zu einem meiner ersten politischen Interessen als Kind einer Region, in der es fast mehr Amerikaner aller Hautfarben als Einheimische gab und in der an den Ladentüren zuerst "Pull" und Push" und dann erst "Ziehen" und "Drücken" stand. Besonders fasziniert hat mich die unvorstellbare Glaubenskraft, die diesen Mann, der zu seiner Führungsrolle eher zufällig gekommen war, und seine Mitstreiter alle Widrigkeiten, Erniedrigungen, Bedrohungen und Gefahren auf sich nehmen ließ und die zahllose Opfer durch Erschießen, Erschlagen, Verstümmelung, Vergewaltigung, Folter, Attentate und  Lynchjustiz forderte. Eines von vielen künstlerischen Zeugnissen ist das unvergessliche Lied von Billie Holiday „Strange fruit“, das, wenn auch viel früher (1939) entstanden, die bis weit in die Siebziger verbreitete Praxis des Hängens unbotmäßiger „Nigger“  im Süden drastisch vor Augen führt.



 Am 3. April 1968 hielt der "Träumer" Dr. Martin Luther King Jr.  seine nicht minder eindrucksvolle letzte Ansprache, die man auch Predigt nennen könnte und die mit den Worten endete:
„And then I got into Memphis. And some began to say the threats, or talk about the threats that were out. What would happen to me from some of our sick white brothers? 

Well, I don't know what will happen now. We've got some difficult days ahead. But it really doesn't matter with me now, because I've been to the mountaintop.
And I don't mind.
Like anybody, I would like to live a long life. Longevity has its place. But I'm not concerned about that now. I just want to do God's will. And He's allowed me to go up to the mountain. And I've looked over. And I've seen the Promised Land. I may not get there with you. But I want you to know tonight, that we, as a people, will get to the promised land!

And I'm happy tonight. I'm not worried about anything. I'm not fearing any man! Mine eyes have seen the glory of the Lord."
Am Tag darauf starb er durch ein Attentat auf einem Balkon in Memphis, Tennessee.  Er wurde 39 Jahre alt.




Sonntag, 25. August 2013

Album 16, zuerst ein paar alte Bekannte: Kreuze und Grabsteine in Maikammer, Hainfeld und St. Martin und ...

zunächst ein kleiner Ausreißer: Die erste Seite des Albums schmückt das Foto eines ungewöhnlichen Kreuzes in Wittlich  an der Mosel.


Bei dem Gebäude, vor dem es steht, handelt es sich um das Burgtor oder Türmchen, ein ehemaliges Stadttor. Die Fenster wurden erst im 19. Jh. eigesetzt. Rechts oben ein Guckloch in Form einer Löwenfratze.


1. Grabstein an der Kirche in Maikammer


2. Details


32. ein schönes Kreuz in Maikammer - mal wieder




3. ein ungewöhnliches Kreuz mit Putte in Hainfeld



4. Grabstein mit Mönch in Hainfeld.
Inschrift: HIER RUHET IN GOTT
E. (oder F.?) MARTIN MARKHOFFER
dann folgt sowas wie "Handelsmann" und Meissenheim
weiter unten noch ein Name: Maria Magdalena Biechelberger zu Heinfeld
Ganz unten rechts und links von dem kleinen Kreuz mit Grabtuch (?) eine Jahreszahl, vermutlich 1815


5. noch ein Kreuz mit Puttenkopf in Hainfeld


6. ein Grabstein vermutlich an der Kirchenwand in Hainfeld


7. Hainfeld scheint für Überraschungen gut - ein sehr ungewöhnlicher Stein. Wer steht da am Kreuz? Es scheinen links eine Frau mit Krone und eine mit Heiligenschein und rechts zwei Männer oder ein Mann und eine Frau mit Kronen oder Strahlenkränzen.zu sein; die eine Figur hat außerdem ein Kreuz oder eine Taube auf der Brust und trägt einen merkwürdigen Stab. Die anderen Figuren tragen auch Attribute, die aber stark verwittert sind. Über den linken Figuren steht: JOHNS, darunter BARBARA und darunter I+S   + AA. Die rechte Inschrift ist auf dem Foto nicht vollständig lesbar


8. und noch einer. Die Inschrift ist auf dem Foto kaum oder nicht lesbar. Der Satz unmittelbar über den beiden Figuren lautet: "Von allen die ihn kannten". Klingt merkwürdig modern auf so einem verwitterten Stein ...


9. auch dieser ist ungewöhnlich. Er sieht rudimentär aus, aber dort wo etwas zu fehlen scheint, ist ewas eingraviert. Bloß was?


10. Ein wunderschönes "Seemannsgrab" in Hainfeld, eine Darstellung der göttlichen (oder auch  theologischen) Tugenden Glaube (Kreuz), Hoffnung (Anker) und Liebe (Herz)



 

38 a und b) zwei Muttergottesdarstellungen in der Friedhofsstraße in St. Martin



Das sechzehnte Album

Das sechzehnte Album schlägt einen weiten Bogen von Worms entlang des Rheins (im weitesten Sinne und natürlich linksrheinisch) inklusive ein paar Abstecher in den Pfälzer Wald und dann nach Westen beidseitig der deutsch-französichen (pardon -elsässischen) Grenze bis nach Walschbronn.

DÜW: Bad Dürkheim; KL: Kaiserslautern, NW: Neustadt/Weinstraße;
LD: Landau; PS: Pirmasens; ZW: Zweibrücken


Sonntag, 18. August 2013

Die heilige Helena - zum Namenstag, mal wieder nachträglich und etwas zu spät

Helene - das war der Name unserer Mutter. Vor zwei Jahren wurde wieder eine kleine Helene in unsere Familie geboren - das Urenkelkind unserer Eltern.
 Ich muss gestehen, dass ich meist den Namenstag von Mama vergessen habe, als sie noch lebte. Eine mit meinen Eltern befreundete Ordensschwester hat immer daran gedacht und ihr jedes Jahr zum Namenstag geschrieben (worauf sie gelegentlich etwas resigniert hinwies.) Als Mama gestorben war und Papa mit seinen Alben begann, war auch eines mit dem Titel "Helene" dabei. Im Einband war ein Ausschnitt frei gelassen, in den er eine Namenspostkarte klebte. Darauf stand, von Blüten umrankt:
" Der Name Helene ist griechischen Ursprungs und bedeutet: "Die Sonnenhafte".
Abwandlungen des Namens sind Helena, Helen, Elina, Ilona und Elena.
Die helle Helene lässt ihre Sonne für alle scheinen."

Natürlich habe ich seither öfter an den Namenstag gedacht und auch an die Heilige Helena, die mir aus Religions - und Geschichtsunterricht ein Begriff war. Als Kind glaubte ich den rührenden Geschichten über die zutiefst gläubige Frau, die das Kreuz des Heilands suchte um die Notleidenden und Kranken zu erretten. Später las ich auch anderes über sie, dass sie in erster Linie eine Politikerin war, eine berechnende Person, die alles tat um die Macht ihres Sohnes und die eigene Macht zu stärken. Dabei soll sie ganz schön skrupellos vorgegangen sein.



Das mag durchaus so gewesen sein. Um zu leisten, was sie geleistet hat - nämlich eine solche Pilgerfahrt im dritten Jahrhundert zu unternehmen, und das als fast 80 - Jährige - muss sie große Stärke besessen haben. Und einen sehr festen Willen.
Den bemerkenswertesten Roman über Helena hat meiner Meinung nach Evelyn Waugh geschrieben. Einige seiner Werke habe ich dank dem "Morgenländer" kennen und schätzen gelernt. Wir tauschten uns einmal in einem Nebenblog über "Brideshead revisited" aus. Als ich bei Waugh den Roman "Helena" entdeckte, habe ich ihn mir gleich besorgt. Hier fand ich die Schilderung von Helenas Leben genauso vor, wie ich sie mir erhofft hatte: Als das Lebenswerk einer bemerkenswerten Frau, die über manchen Umweg und nach vielem Suchen zum Glauben fand.
Über das Buch ist schon viel geschrieben worden, und natürlich auch viel besser, als ich es je könnte. Aber weil heute (noch!) ihr Geburtstag im Himmel ist, und der Namenstag unserer Mutter und meiner Enkelin, möchte ich einen Abschnitt des Buches zitieren. Er enthält ein Glaubensbekenntnis und ein Gebet. Helena befindet sich, alt, krank, erschöpft vom Reisen und Suchen, am Dreikönigstag in Bethlehem. Sie wird von der Gemeinde zur Feier der Liturgie gerufen und in Gedanken unterhält sie sich mit den Weisen, die gekommen waren um den neugeborenen König zu sehen.

Helena verstand wenig Griechisch, und ihre Gedanken waren weder bei den Worten noch sonstwo. Sie vergaß sogar ihr ständiges Suchen und dachte nur an das in Windeln gewickelte Kind und an jene drei weisen Könige, die vor vielen Jahren von so weither gekommen waren, es anzubeten. 

"Dies ist mein Tag", dachte sie, "und dies ist meine Familie."

... im Folgenden spricht Helena zu den Weisen über ihr spätes Kommen zur Krippe, wo alle schon gewesen waren, die Tiere, die Hirten, die Engel. Und sie verwundert sich darüber, dass sie auch noch bei Herodes Station machten:

"Und schließlich kamt ihr zu der letzten Station eurer Pilgerfahrt, und der große Stern stand still über euch. Was tatet ihr? Ihr hieltet an, um dem König Herodes aufzuwarten: tödliches Austauschen von Komplimenten, womit jener unbeendete Krieg des Pöbels und der Obrigkeit gegen die Unschuldigen seinen Anfang nahm!"

Aber dann kommen ja die "weisen Könige" doch an und finden ihren Platz vor der Krippe. Und Helena stellt fest:

"Ihr seid meine besonderen Schutzherren ....und Schutzherren aller, die zu spät kommen, und zur Wahrheit eine mühevolle Reise machen müssen, weil Wissen und Grübeln sie verwirrt; Schutzherren auch all derer, die mitschuldig werden durch Höflichkeit, und deren Begabung ihre größte Gefahr ist. 
Ihr lieben Vettern betet für mich", sagte Helena, "und betet für meinen armen überlasteten Sohn, auf dass er auch vor seinem Ende die Stelle finde, wo er im Stroh hinknien darf. Betet für die Großen der Erde, auf dass sie nicht elendig zugrunde gehen." ....
"Um Seinetwillen, der eure sonderbaren Gaben nicht zurückwies, betet für alle gelehrten, unaufrichtigen und heiklen Seelen, dass sie nicht vergessen seien bei Gottes Thron, wenn die Einfältigen einziehen in ihr Königreich."

Ist das nicht aktueller denn je und dieses Gebet nicht nötiger denn je?

Danke an Evelyn Waugh und an den Morgenländer, der mich daran erinnert hat.