Freitag, 7. September 2012

Die Geburt von einer, die schon da war ehe die Erde erschaffen ward

aus dem tridentinischen Messbuch

„Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war. Als die Meere noch nicht waren, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen. Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren, als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens. Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über den Fluten der Tiefe, als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe, als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich als sein Liebling bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Freude an den Menschenkindern.“
Quelle: hier



Altarraum der Maria Schutz Kirche in Kaiserslautern
Die Kirche unserer Kinderzeit ist die Maria Schutz - Kirche in Kaiserslautern. Ich erinnere mich, dass wir als kleine Kinder, wenn die Zeit uns gar zu lang wurde, auf den Knie-Bänken in den Beichtstühlen sitzen durften, die neben den Bankreihen an der Wand entlang stehen. So hatten wir eine kleine Hütte innerhalb von Gottes Haus. Die gewaltige Schutzmantel-Madonna erfüllte uns mit Ehrfurcht - es war eine ganz andere als die liebe Muttergottes, die unterm Christbaum an der Krippe stand! "Maria, breit den Mantel aus" - ja, dieses Lied wurde uns da ganz verständlich. Und die prachtvollen goldenen Darstellungen aus dem Leben der Muttergottes am Altar! Rechts und links davon sind -ebenfalls in Gold- der Hl. Franziskus und die Hl. Elisabeth dargestellt. Bilder davon kann man hier betrachten. Wir wurden nicht fertig mit Anschauen, und deshalb waren die Gottesdienste nicht langweilig für uns.
Heute, wenn ich den oben zitierten Text aus dem Buch der Sprichwörter,( 8, 22-31) lese, sehe ich diese herrliche Allmutter vor mir und staune darüber, dass sie ein Kind war, das vor Gott spielte. Und es noch immer ist. So wie ich immer noch den heimlichen Wunsch habe, im Beichtstuhl auf dem Knie-Bänkchen zu sitzen und aus dieser kindlichen Warte den Gottesdienst zu verfolgen! 
In Erinnerung an unsere Eltern und an das Gefühl, ein Kind zu sein, wie auch die Mutter Gottes es war und ist, stelle ich dieses schöne Lied hier ein - zum Festtag Mariä Geburt!



Kommentare:

  1. Text, Bild und Lied sind wunderschön. Danke fürs einstellen.

    Huppicke

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    1. Liebe Huppicke,

      dieses Lied liebe ich sehr - bei den Trauergottesdiensten für unsere Eltern wollten wir jeweils, dass es gesungen wird. Aber durch verschiedene Umstände kam es nicht dazu. Nun ist es ihnen hier gewidmet. Herzliche Grüße an Dich!

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  2. Wie schön. Bei der Diashow gibt es ein Bild von Christus am Kreuz als Seraph durch den der heilige Franziskus die Wundmale empfing. Eine solche Skulpturengruppe habe ich noch nie gesehen. Der Heilige Franz gehört zu meinen Lieblingsheiligen, der erste dem ich mich annähern konnte noch als Schamanin.

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  3. Liebe Dorothea, diese Skulpturengruppe bewundere ich auch noch heute, wenn ich dort bei der Hl. Messe bin. Das Gesicht des Franziskus und des Heilands - wunderbar dargestellt. Die Darstellung geht auf eine Erscheinung zurück, die Franziskus hatte als er predigte. Christus erschien ihm in der Gestalt eines eines 6-flügeligen Seraphs und drückte ihm die Wundmale auf. Es gibt von Giotto di Bondone einen Freskenzyklus über das Leben des Franziskus. Du findest ihn hier: http://www.dachreiter.org/detail.php?ref=bf3&id=203

    Bei den letzten Bildern ist diese Erscheinung auch dargestellt.
    Ich liebe den Heiligen auch und habe oft das Gefühl, dass er mir hilft wenn ich um seine Fürsprache bitte.
    herzliche Grüße!

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